"Shanghai fern von wo" von Ursula Krechel

Michael Omasta
FALTER 49/2008

Shanghai fern von wo
Ursula Krechel
Jung und Jung 2008

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Was diesen Roman von anderen "literarischen Geschichten des Exils" wie Leslie Epsteins "Der Narr von Hollywood" (1998) oder Michael Lentz' "Pazifik Exil" (2007) unterscheidet, ist, dass Ursula Krechel keine prominenten Geistesgrößen zu ihren Protagonisten macht, sondern ganz normale, um nicht zu sagen: durchschnittliche Menschen, die im Kampf ums alltägliche Überleben, schier ungeahnte Kräfte zu entwickeln und über sich selbst hinauszuwachsen scheinen.
In den 30er-Jahren wurde Shanghai für 18.000 deutsche und österreichische Juden zur letzten Zuflucht vor den Nazis; eine Handvoll von ihnen spielen die Hauptrollen in "Shanghai fern von wo": ein Buchhändler aus Berlin Charlottenburg, ein Uhrmacher, das Ehepaar Rosenbaum, der Kunsthändler Lothar Brieger sowie Herr und Frau Tausig aus Wien. Franziska Tausigs Geschichte ist die einzig bekannte der hier zu einem vielstimmigen Panorama des Exils verwobenen Schicksale. Wie die Rechtsanwaltsgattin als Strudelköchin in China zur Berühmtheit wurde – "die Hände arbeiteten (Backstube, Shanghai, 40 Grad)", derweil "der Kopf immer noch am Donaukanal spazierenging" –, gehört zu den schönsten, beeindruckendsten "Success stories" dieses finstren Kapitels des 20. Jahrhunderts.


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