"Sind Religionen gefährlich?" von Rolf Schieder

Martin Lhotzky
FALTER 4/2009

Sind Religionen gefährlich?
Rolf Schieder
Berlin University Press ein Imprint von Verlagshaus...

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Erstaunlich, wie vorhersehbar und eindimensional immer wieder auf jegliche Kritik des Eingottglaubens reagiert wird. Der Berliner Theologe Rolf Schieder legt noch ein Schäuferl nach, indem er sophistisch erklärt, dass weder Judentum, Christentum noch der Islam sich je selbst als Monotheismus bezeichnet haben. Sogar das auf den altrömischen Denker M. Terentius Varro zurückgehende Wort von der "Zivilreligion" wird hier beinahe zum Schimpfwort.
Repetitiv gibt der Autor seine allzu einfache Auffassung von (nicht nur islamischen) Terroristen wieder, die sich bloß religiöser Rechtfertigung bedienten, eigentlich aber kulturell entwurzelte, sexuell frustrierte junge Männer seien, die sich ihr Glaubensgebäude nach persönlichem Gutdünken zurechtzimmerten.
Im Grunde lässt sich das Buch auf eine Kernthese reduzieren: Die Welt braucht mehr Theologen – auch islamische – an (deutschen) Universitäten, um die an sich friedliebenden, ja friedensfördernden Religionen vor Missbrauch zu schützen. Dann erst könne Religion als soziale Ressource auch vom säkularen Staat wiederentdeckt werden. Mit der von Schieder zögernd positiv beurteilten Säkularität der BRD ist es indes nicht weit her: Denn dort wird Gott sogar in der Präambel zum Grundgesetz erwähnt.


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