"Über Selbstachtung" von Peter Strasser

Herwig G. Höller
FALTER 12/2009

Über Selbstachtung
Peter Strasser
Verlag Wilhelm Fink - 2009
24,60

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Was macht ein Philosoph in Graz? Wenn er alt genug ist, sprich in denSiebzigern noch rechtzeitig auf die Uni kam, ist er mittlerweile Universitätsprofessor. Und wenn er populär genug ist, dann kommen nicht nur Studienanfänger, sondern auch "Seniorenstudenten" in seine Vorlesung. Und natürlich sieht er fern, liest viel und bleibt im kleinen Elfenbeinturm, der mittlerweile mit Satellitenfernsehen und Internetanschluss ausgestattet ist, am Laufenden. So beschreibt sich Peter Strasser in seinem neuesten Buch in seiner Rolle als Philosophieprofessor, dabei ist er einer der Wenigen des universitären Establishments, dem eben nicht nur Seniorenstudenten gerne zuhören. Strasser hat sich nie in seinem Elfenbeinturm eingesperrt: In den Neunzigern spielte er eine wichtige Rolle beim steirischen herbst, seine geistreichen Feuilletons in Tageszeitungen haben viele Fans.
Grundlage für Strassers neuestes Oeuvre sind Vorlesungserlebnisse, die Beobachtung einer Fernsehdiskussion, in der Klaus-Maria Brandauer zum Thema "Toleranz" brilliert, eine dazu veröffentlichte "Grille" und darauf resultierende Reaktionen. "Über Selbstachtung" nennt sich das Werk, viertelautobiografisch klopft der Philosoph darin vielfältige Aspekte des Begriffs ab. Er thematisiert Brüche, reflektiert auch am Beispiel von Günter Grass über Erinnerungskultur nach Auschwitz, er skizziert "Elemente einer Logik der Selbstachtung" – eine klassische Formulierung, mit der Strasser seine Zugehörigkeit zur Philosophenzunft und seine eigene Selbstachtung unterstreicht. Oftmals Gedroschenes à la "sich selbst treu bleiben" oder "sich selbst verwirklichen" wird auf philosophische Implikationen überprüft. Strasser versucht zu ergründen, was der mündige Eintritt in die Unmündigkeit für die Menschenwürde nun bedeutet. All das ist eigentlich furchtbar kompliziert, dennoch schafft es der Autor, dies in gewitzter Prosa unterhaltsam zu erzählen. Ein wenig in der vergessenen Humortradition von Grazer Journalisten wie Alfred Möller (1877-1957) oder Otto Hofmann-Wellenhof (1909-1988). Aber philosophisch deutlich dichter. 


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