"Blotch" von Blutch, Johann Ulrich

Thomas Wolkinger
FALTER 29/2009

Blotch
Der König von Paris
Blutch, Johann Ulrich
avant-verlag GmbH - 2009
18,50

Anzeige


2010 verspricht ein gutes Jahr für Christian Hincker zu werden. Schon im Jänner hat der gebürtige Elsässer den wichtigsten Comicpreis Europas gewonnen, den "Großen Preis der Stadt Angoulême", seit kurzem sind nun endlich auch zwei seiner besten Arbeiten, die er unter dem Künstlernamen blutch verfasst, auf Deutsch verfügbar. "Der König von Paris" nimmt unter diesen eine Sonderstellung ein. Mehr ein Selbstexorzismus als eine Autobiografie, schlüpft Hincker alias blutch darin in die Figur des ebenso reaktionären wie eitlen Widerlings Blotch, der seinen Unterhalt damit verdient, im Paris des Jahres 1936 – es war die Zeit von Léon Blums Volksfrontregierung – sexistische Witzchen für das Satiremagazin Fluid Glaciale zu zeichnen.
Autobiografen wurden schon freundlicher in Szene gesetzt. Um Selbsthistorisierung geht es blutch freilich nicht, vielmehr darum, all die Schmuddelklischees, die mit Comics auch assoziiert werden, in einer Figur zu bündeln – den Teufel also einmal richtig an die Wand zu malen und damit vielleicht auch zu bannen.
Der stilistisch vermutlich vielseitigste Zeichner Frankreichs hat für "Blotch" eine eindringliche Zeichensprache in expressivem Schwarzweiß gefunden und mit dem ruhmsüchtigen Zeichner eine archetypische ­Figur geschaffen, die in ihrer Bos­haftigkeit fast schon wieder liebenswert ist.


Anzeige

Diese Rezensionen könnten Sie auch interessieren

  • Die Waffen nieder!

    US-Präsident Barack Obama träumt von einer Welt ohne Atomwaffen. Nun vereinbarte er mit Russland eine Reduzierung der Nuklearsprengköpfe beider...
    Rezensiert von Wolfgang Zwander in FALTER 29/2009
  • Angriff von rechts

    Mit den Erfolgen der rechtsextremen NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) ist ein Name eng verknüpft: Udo Voigt, Parteivorsitzender...
    Rezensiert von Marianne Schreck in FALTER 29/2009
  • Das Weltgeheimnis

    Kepler, Galilei und die Vermessung des Himmels Der Jupiter hat vier Monde, und unser Mond ist übersät von Bergen und Tälern. Vor genau 400 Jahren richtete Galileo Galilei sein selbstgebasteltes...
    Rezensiert von Oliver Hochadel in FALTER 29/2009
  • Illegal

    Manchmal findet sich das gute alte Theater mitten in der Realität wieder: Björn Bicker, Dramaturg an den Münchener Kammerspielen, hat unter seinem...
    Rezensiert von Ulrich Rüdenauer in FALTER 29/2009
Alle Buch-Rezensionen | Alle Rezensionen aus FALTER 29/2009

Anzeige


Anzeige