"Illegal" von Polle Wilbert

Ulrich Rüdenauer
FALTER 29/2009

Illegal
Polle Wilbert
Intermedium Records - 2008
0,00

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Manchmal findet sich das gute alte Theater mitten in der Realität wieder: Björn Bicker, Dramaturg an den Münchener Kammerspielen, hat unter seinem Autornamen Polle Wilbert mehrere Stücke geschrieben, die an der Schnittstelle von Dokumentation und Kunst Wirklichkeit abbilden. Zuletzt brachte er "Illegal" auf die Bühne, eine Collage, die auf authentischen Protokollen von Menschen beruht, die ohne Aufenthaltsgenehmigung in einem Land leben: Einige tausend davon sind es allein in München, und was sie zu sagen haben, ist von schneidender Bitterkeit, von aufgezwungener Abgebrühtheit, verstörender Traurigkeit und manchmal auch unverhohlener Resignation.
Als Hörspiel funktioniert diese Choreografie der Stimmen, die sich manchmal zu einem Chor der Illegalen vereinigen, wie ein kleiner Trip in eine Parallelwelt: Die Verborgenen und sozial Abgeschnittenen ­müssen die Öffentlichkeit meiden. Wer keine Papiere hat, muss sich unsichtbar machen. Diese Unsichtbarkeit wird hier hörbar. Das aus einem langen Track bestehende, auf konzentriertes Hören angewiesene Stück schafft eine klaustrophobische ­Atmosphäre, und so wunderbare Sprecher wie ­Peter Fricke erzeugen einen Sog. Einzig die immer wieder eingestreute, frickelige Musik der Münchener Band Kamerakino nervt mitunter.


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