Gebärstreik? Zeugungsstreik!

"Der Zeugungsstreik" von Meike Dinklage

Kirstin Breitenfellner
FALTER 50/2014

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Meike Dinklages "Der Zeugungsstreik" erschien vor neun Jahren. Trotzdem wird auch heute noch fast ausschließlich die Frage gestellt, warum Frauen immer weniger Kinder wollen. Dabei bleiben immer noch signifikant mehr Männer kinderlos als Frauen. 1990 etwa lebten in Deutschland 70 bis 75 Prozent aller Männer zwischen 40 und 45 mit Kindern zusammen, 2012 waren es nur noch 55 Prozent. Wenn irgendwo zu wenige Kinder auf die Welt kommen, heißt es dennoch reflexhaft: Gebärstreik! Der Grund scheint auf der Hand zu liegen: Frauen wollen immer weniger Kinder, weil Kinder und Karriere so schwer vereinbar sind.
Manchmal offener, manchmal versteckter klingt hier der Vorwurf des Egoismus durch. Dabei ist es alles andere als ­ausgemacht, dass es vorwiegend die ­Frauen sind, die sich gegen Kinder entschieden haben. Wenig zu dieser Schuldzuschreibung passten auch die Zahlen, die für Dinklage 2004 den Anstoß zu ihren Recherchen gaben. Sie führte ausführliche Gespräche mit acht Männern und sechs Frauen, die immer noch lesenswert sind – auch weil eine öffentliche Debatte bis heute nicht stattgefunden hat.
Schon damals gab es unter den 45- bis 49-Jährigen mehr kinderlose Männer als Frauen, wobei der berühmte "späte Vater" statistisch gesehen eine Rarität darstellte.


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