"Alle glücklichen Familien" von Carlos Fuentes

Julia Zarbach
FALTER 36/2009

Anzeige


"Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie aber ist auf ihre Art unglücklich." Dieses Zitat aus Lew Tolstois "Anna Karenina" dient dem mittlerweile 80-jährigen Carlos Fuentes als Motto seines Romans, in dem er sich ein weiteres Mal der unglücklichen mexikanischen Realität annimmt.
In Bildern oder vielmehr Zerrbildern einer scheinheiligen, vom Katholizismus geprägten Zweiklassengesellschaft porträtiert er die weitverbreitete Korruption, den frauenfeindlichen Machismo, die Identitätsfindung des indianischen Teils der Bevölkerung, den Gegensatz von Ballungszentren und ländlichen Regionen oder die illegale Auswanderung in die USA.
Zwischen den Darstellungen der unterschiedlichen Familienschicksale meldet sich regelmäßig ein Chor zu Wort, der der vielschichtigen Bevölkerung Mexikos, und damit besonders den "Stummen" unter ihnen, eine Stimme verleiht. Übersetzerin Lisa Grüneisen überträgt Fuentes treffende, sich der unterschiedlichsten Erzählformen bedienende Sprache kunstvoll ins Deutsche. So präsentiert sich auch für hiesige Leser ein noch immer kraftvoller Autor, der mit seiner schonungslosen Prosa ein komplexes Panorama der mexikanischen Gesellschaft zeichnet.


Anzeige

Diese Rezensionen könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige