Urbane Gewalt: was zu tun ist

"Jugendgewalt im städtischen Raum" von Rainer Kilb

Matthias G. Bernhold
FALTER 39/2009

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Zwei Jugendliche, einer ist 17, der andere 18 Jahre alt, belästigen und bedrohen in einem Münchner S-Bahn-Wagon eine Gruppe Kinder. Ein 50-jähriger Geschäftsmann zeigt Zivilcourage und geht dazwischen. Wenig später ist er tot. Die Jugendlichen haben ihn auf dem Bahnsteig erschlagen. Österreich kennt ähnliche Gewaltexzesse: Erst vergangene Woche wurde ein 23-Jähriger (nicht rechtskräftig) wegen Mordes in Wien zu 20 Jahren Haft und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt, weil er in der Rotenturmstraße einen 53-jährigen Passanten so lange mit Händen und Füßen mal­trätiert hatte, bis dieser starb. Ende des Vorjahres spürte der deutsche Sozialforscher Rainer Kilb den Ursachen von Gewalttaten Jugendlicher nach. Zugleich lieferte er einen internationalen Überblick möglicher Gegenmaßnahmen. Spannend an seinem Buch ist vor allem der Versuch, das Phänomen gleichermaßen aus psychologischer, philosophischer, kulturanthropologischer, kriminologischer und pädagogischer Sicht zu beleuchten. Kilb unterstreicht auch die Bedeutung der Architektur des städtischen Raums, der als "sozial bespielbare Kulisse" fungiere und sowohl integrierend als auch segregierend, zur Gewalt animierend, aber auch regulierend wirken könne.


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