"Pelle der Eroberer" von Martin Andersen Nexö

Martin Droschke
FALTER 22/2004

Pelle der Eroberer
Hörspielfassung
Martin Andersen Nexö
Der Audio Verlag - 2004
0,00

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Am 1. Juni vor 50 Jahren starb mit Martin Andersen Nexö ein Autor, der für seine kernigen politischen Statements berüchtigt war. Als Kommunist setzte er seine Hoffnungen auf Hitlers großen Gegenspieler und war nicht bereit, die von Stalin verübten Verbrechen wahrzunehmen. Aus diesen Gründen hat Aldo Keel seiner Biografie den Titel "Der trotzige Däne" gegeben. Nexö kam 1869 in Kopenhagen als Kind armer Leute auf die Welt und hat mit "Pelle der Eroberer" die Weltliteratur um den ersten, aus der Perspektive der untersten Gesellschaftsschicht erzählten Hoffnungsroman erweitert. Pelle entwickelt darin weit mehr als "eine unbändige Kraft und Lebenslust", wie es in der Ankündigung der in der Aufbau-Verlagsgruppe erschienen Hörspielfassung heißt. Er wird Berufsrevolutionär und führt seinesgleichen ins Licht des Marxismus.

Mit der Analyse von Nexös Kindheit und Jugend legt Keel ein Fundament, das es ihm erlaubt, die politischen Motiven des Autors psychologisch-biografisch zu deuten. Als Schlüsselfigur dient dem Biografen der Vater, der Martin mit Ablehnung begegnet. Zeit seines Lebens wird Nexö nach einem Ersatz suchen. Er findet ihn in Lenin und, als Hitler Dänemark besetzt, in Stalin. Keel schildert den Lebensweg des Schriftstellers als klassenkämpferischen - Hirtenbub, zweiter Bildungsweg, Lehrer, Arbeiterkämpfer und schließlich Elefant im politischen Pozellanladen Dänemarks - und dieser Zugang macht das Buch auch für Leser interessant, die Nexös Werke nicht kennen. Keel beginnt mit der frühen Gewerkschaftsbewegung und endet bei der Konsolidierung der DDR, dem Land, in dem der Dichter seinen letzten Wohnsitz hatte.


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