"Metropolen des Geistes" von Martin Hose, Christoph Levin

Veronika Seyr
FALTER 41/2009

Metropolen des Geistes
Martin Hose, Christoph Levin
Insel - 2009
0,00

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Wo liegt der Ursprung der modernen Metropole? Seit sich viele Großstädte zu Mega-Citys entwickelt haben, ist der Begriff "Metropole" zur Chiffre für Unregierbarkeit und Chaos geworden. Zu Unrecht, argumentieren neun deutsche Altertumsforscher in den Essays eines reich illustrierten Sammelbands. Sie porträtieren acht antike Metropolen und graben nach den Wurzeln der westlichen Moderne. Jeder kennt die ägyptischen Pyramiden, den babylonischen Turm oder die Tempel der Antike, aber kaum jemand den literarischen Fundus der Metropolenbildung, die geistigen Grundpfeiler des Abendlands.
Manche Metropolen wie Jerusalem, Alexandria oder Konstantinopel mussten erst untergehen, damit ihre Hinterlassenschaften, die Wissenschaften und Künste – von der babylonischen Keilschrift bis zum Alten Testament, von der ersten Hochschule in Ch'ang-an bis zu den alexandrinischen Bibliotheken und der athenischen Demokratie –, sich in die Peripherien ausbreiten und wirksam werden konnten. Europa wäre nicht entstanden ohne die griechisch-römische Literatur, die in der Metropole Konstantinopel noch 1000 Jahre nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reichs gepflegt wurde, bis die antike Geisteswelt über die italienische Renaissance auf uns kam. Das Urbane ist der kulturelle Schmelztiegel, aus dem das Neue erwächst – ein wissenschaftliches Lob der Landflucht.


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