"Der letzte Kommunist" von Matthias Frings

Sebastian Fasthuber
FALTER 45/2009

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"Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau" lautet der Untertitel dieser Biografie. Matthias Frings, in den 90ern bekannt als Moderator der TV-Erotiksendung "Liebe Sünde", erzählt darin eine Geschichte, die alles andere als traumhaft verlief. Schernikau (1960–1991) war Underground-Autor und neben Jörg Fauser oder Rolf-Dieter-Brinkmann eines der tragischen Genies, die die deutsche Literatur der 70er- und 80er-Jahre hervorgebracht hat. Im Osten geboren und als kleines Kind mit der Mutter in den Westen geflohen, sehnte er sich als Schriftsteller zurück in die DDR. Da waren die Lebensumstände – kein Geld; da war aber auch seine Gesinnung – Schernikau glaubte an den Kommunismus.
Mit seiner "kleinstadtnovelle" über einen jungen Schwulen landete Schernikau als kaum 20-Jähriger einen Einstandserfolg, den er nie mehr wiederholen konnte. Seine politische Einstellung und seine literarischen Vorstellungen verschlossen ihm die Türen sämtlicher Verlagshäuser. Zum Entsetzen seines Umfelds wurde Schernikau 1989 DDR-Bürger. Kurz bevor die Mauer fiel und alles in den Westen stürmte, reiste er in die entgegengesetzte Richtung aus. Zwei Jahre später verstarb er an Aids. Frings, der mit ihm befreundet war, packt Schweres in erfreulich leichte Szenen, wird manchmal aber zu anekdotenhaft. Man erfährt viel über Schernikau, den Schwulen, aber nur wenig über Schernikau, den Autor.


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