"Terrordactyls" von

Gerhard Stöger
FALTER 47/2009

Terrordactyls


0,00

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Die Nullerjahre waren nicht das Jahrzehnt von Cornershop, ganz im Gegensatz zu den 90ern. Damals wurden sie mit ihrem asiatisch gewürzten Britpopentwurf erst zu Indielieblingen und schließlich, mit "Brimful of Asha", zu Hitparadenstars.
Nach langem Schweigen – das letzte Album "Handcream for a Generation" datiert aus 2002 – melden sich Tjinder Singh, Ben Ayres und Band zurück und drehen die Uhr mit "Judy Sucks a Lemon for Breakfast" (Ample Play Recordings) kurzerhand um eine Dekade zurück.
Cornershop sorgen wieder für Partylaune mit dezent-melancholischen Zwischentönen; superentspannte
Rhythmen kombinieren sie mit prächtigen Melodien, Gospelchöre mit markantem Sitarspiel und Billigsdorfer-Elektronik mit herzerwärmendem Gesang. Ein Bob-Dylan-Cover hat ebenso Platz wie ein gemütlich dahindaddelnder Endlosjam zum Ausklang. Musik also, die nicht nur 90er-Nostalgiker glücklich machen sollte.
Extrem hoch ist der Wiedererkennungswert auch bei den kanadischen Wahlberlinern Hidden Cameras, was freilich nichts Schlechtes ist. "Origin: Orphan" (Arts & Crafts) lädt den Kirchenchor erneut zur barocken Folkpopparty in den Dark Room. Dort wird diesmal aber gar nicht so sehr geschweinigelt, sondern öfters einfach nur gekuschelt, geschwelgt und geträumt, wodurch sich Joel Gibb und seine Gang gar als etwas andere Adventsoundtracklieferanten anbieten.
Das Unverkennbare an Alec Ounsworth ist seine zwischen schneidend, jammernd und jubilierend oszillierende Stimme. Musikalisch setzte er mit Clap Your Hands Say Yeah bisher auf Indierocküberschwang mit düsteren Zwischentönen. Für sein Solodebüt "Mo Beauty" (Anti-) hat Ounsworth New York verlassen und unter der produktionstechnischen Leitung von Steve Berlin (Los Lobos) in New Orleans aufgenommen; das neue Kleid steht dem eindringlichen Gesang sehr gut.
Durch eine Extraportion Charme überzeugen The Terrordactyls. Das Duo aus Vashon Island in Washington spielt auf "The Terrordactyls" (Seayou) mit allerlei Spielzeuginstrumenten Antifolk und Heimwerkerpop, der beherztes Geblödel und Ernsthaftigkeit geschickt eint. Einmal ist sogar die Genregröße Kimya Dawson mit von der Partie – und ihr im Hintergrund quengelndes Baby.


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