"Portnoys Beschwerden" von Philip Roth

Klaus Nüchtern
FALTER 47/2009

Portnoys Beschwerden
Philip Roth
Hanser - 2009
0,00

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Ejakulat auf der Glühbirne, Sex mit einem Stück roher Leber, ein flotter Dreier unter Beteiligung einer Nutte. Philip Roths nun in einer Neuübersetzung wieder aufgelegter Klassiker von 1969 ist die Blaupause des priapistischen Individualismus, den der mittlerweile 76-jährige Autor und ewige Nobelpreiskandidat bis heute grimmig verteidigt: Freiheit ist Ficken, wann und wo und mit wem man will – consenting adults vorausgesetzt. Inwieweit Alexander Portnoy mit seinen 33 Jahren erwachsen ist, bleibt freilich unzureichend geklärt, denn das Regime seiner hysterischen und hochanständigen Eltern reicht bis tief ins ausschweifende Sexualleben des Anwalts, der – zerrissen zwischen Sohnesliebe und Verachtung für den Glauben und die Welt seiner Familie – unter dem titelgebenden Syndrom leidet, einem "alles andere überlagernden Schamgefühl und Angst vor Bestrafung".
Wer Roths fulminanten, im Frühjahr erschienenen Roman "Empörung" gelesen hat, kennt die Konstellation: Dessen 19-jähriger Protagonist ist ein Wiedergänger Portnoys, der ebenfalls Bertrand Russell liest und sich für die chinesische Nationalhymne begeistert ("Em-pö-rung füllt die Herzen unserer Landsleute"), nur dass sich bei Roth als Tragödie wiederholt, was als Satire begann.


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