Verderbnis der guten Sitten

"Das Handbuch des Börsespekulanten" von Pierre-Joseph Proudhon

Matthias G. Bernhold
FALTER 8/2010

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Noch vor Ausbruch der ersten Weltwirtschaftskrise 1857, die damals von Grundstücksspekulationen nordamerikanischer Banken mitausgelöst wurde und in eine Depression mündete, veröffentlichte Pier­re-Joseph Proudhon sein "Handbuch des Börsenspekulanten". In dem vom Wiener Wirtschaftshistoriker Gerhard Senft jetzt neu herausgegebenen Standardwerk lieferte Proudhon, einer der geistigen Väter des französischen Arbeiterbewegung und – als Gegner staatlicher Gewalt – des Anarchismus, eine präzise Analyse der Finanzwirtschaft. Vor dem Hintergrund der jüngsten Wirtschaftskrise ist der Text streckenweise so aktuell, als hätte ihn der rauschebärtige Ökonom erst gestern geschrieben: Börsenoperationen, Akteure, Institutionen und Handelsgegenstände im Börsebetrieb nimmt Proudhon unter die Lupe.
Um der "Verderbnis der öffentlichen ­Sitten durch die Börsen" entgegenzuwirken, schlägt Proudhon unter anderem Tauschgesellschaften und Volksbanken vor: ­Ideen, wie sie auch heute wieder in Pamphleten der Globalisierungskritiker auftauchen. Im ausführlichen Anhang zum Handbuch finden sich Kommentare von Herausgeber Senft, der Proudhons Ein­sichten und Theorien in Bezug zur Geschichte und zu den jüngsten Turbulenzen auf den Finanzmärkten setzt, sowie eine Chronologie der wichtigsten Finanzskandale und Wirtschaftskrisen.


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