Der erste Tschetschene seit Tolstoi

"Ich bin Tschetschene" von German Sadulajew

Veronika Seyr
FALTER 9/2010

Anzeige


Seit Lew Tolstoi den historischen Kampf der Tschetschenen gegen die russische Eroberungspolitik im Kaukasus in seinem Kurzroman "Hadschi Murat" verarbeitete, hat sich wahrscheinlich niemand mehr mit so viel Einfühlungsvermögen und Poesie dieses fast 200-jährigen Konflikts angenommen. German Sadulajew, ein 38-jähriger Anwalt in St. Petersburg, ist als Sohn einer russischen Mutter und eines tschetschenischen Vaters allerdings anders betroffen als einst Graf Tolstoi. Mit seinem ersten literarischen Text versucht er einen Ausweg aus den schmerzlichen Erinnerungen an einen endlosen Krieg zu finden: in keiner Zeile platte Kriegsberichterstattung, obwohl der Krieg immer anwesend ist, weniger Roman als episches Langpoem über ein traumatisiertes Volk, das sich trotz aller Grausamkeiten der Auslöschung und Entwurzelung entgegenstellt.


Anzeige

Diese Rezensionen könnten Sie auch interessieren

  • TOPmodel

    Bruchstücke einer Karriere Spieglein, Spieglein an der Wand – wer verkauft sich am besten im ganzen Land? Etwa Heidi Klum? Mit ihrer Modelshow, die Woche für Woche Millionen...
    Rezensiert von Emily Walton in FALTER 9/2010
  • Der Geist im Körper

    Das Ich und sein Raum Man muss weder krank noch high sein, um zu fühlen, dass die Nase einen halben Meter lang ist. Wenn man einen 100-Hertz-Vibrator an den Bizeps...
    Rezensiert von Sebastian Kiefer in FALTER 9/2010
  • Die Zitternde Frau

    Eine Geschichte meiner Nerven Im Mai 2006 steht die Schriftstellerin Siri Hustvedt "unter einem wolkenlosen blauen Himmel" auf dem Campus des St. Olaf College, um eine Rede...
    Rezensiert von Klaus Nüchtern in FALTER 9/2010
  • Was ist ein Künstler? Genie, Heilsbringer, Antikünstler

    Eine Ideen- und Kunstgeschichte des Schöpferischen Die Kunsthistorikerin und Ex-Spitzenpolitikerin Verena Krieger über Künstler als Machos und Manager Wegen einer Vergewaltigung in den 70er-Jahren...
    Rezensiert von Matthias Dusini in FALTER 9/2010
Alle Buch-Rezensionen | Alle Rezensionen aus FALTER 9/2010

Anzeige

Anzeige