"Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein" von Marketa Pilatova

Tabea Soergel
FALTER 22/2010

Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein
Marketa Pilatova
Residenz - 2010
19,90

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Ein Buch voller Frauen: Töchter, Witwen, verlassene Geliebte. Vier Ich-Erzählerinnen, die abwechselnd berichten. Auf der Suche nach sich selbst, nach ihren im Exil verkümmerten Wurzeln oder nach Spuren des toten Gatten, unglücklich und labil, laufen sie einander in Prag über den Weg. Das fünfte und einzige männliche Ich ist längst tot, ansonsten tauchen Männer nur als Liebhaber am Rande auf. Trotz der hohen Frauenquote wirkt dieser Roman merkwürdig reaktionär. Die Männer sind es nämlich, die den orientierungslosen Frauen Happy Ends im brasilianischen Dschungel oder in Prager Altbauwohnungen servieren: indem sie sich ihrer annehmen.
Schade, denn Markéta Pilátovás Debüt beginnt frisch und witzig. Schon die Rückblenden aus einem KZ sind aber allzu mystisch-schwülstig und, ja, platt geraten, mit tanzenden Zigeunerinnen und magischen Blicken. Am Ende scheint der Autorin dann die Lust an der eigenen Geschichte vergangen zu sein. Spätestens wenn unvermittelt ein toter ­Doppelspion letzte Nachrichten aus dem Jenseits sendet, nimmt man ihr das Erzählte nicht mehr ab.


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