Wie man zum Mann wird

"Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt." von Pinar Selek, Constanze Letsch

Marion Bacher
FALTER 32/2010

Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt.
Männliche Identitäten
Pinar Selek, Constanze Letsch
Orlanda Frauenverlag 2010

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"Die Türkei ist eine kriegerische Gesellschaft", sagt die Soziologin Pinar Selek. Zumindest für die Zeit des verpflichtenden Militärdienstes stimmt das. Mit 58 Türken aus verschiedensten sozialen Schichten unterhielt sich Selek für ihr neues Buch über den Dienst an der Waffe. Dabei schlüsselt sie auf, inwieweit diese Zeit die Identitätsbildung der Männer beeinflusst hat. Laut Selek bildet schon die Beschneidung den Grundstein für die Geschlechterrollen. Der Kult um den Penis und die damit verknüpfte Männlichkeit sichere dem Jungen eine dominante Stellung in der Gesellschaft. Der Wehrdienst soll die Rolle als Patriarch der Familie und Verteidiger des Staats weiter zementieren. Seleks Buch präsentiert jedoch nicht nur eine spannende Studie über das Mannwerden in der Türkei. Es zeigt auch, wie patriarchale Gesellschaften funktionieren und wo man einhaken müsste, um sie zu verändern.


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