Wenn "Islamophobie" zu leichtfertig verwendet wird

"Islamophober Populismus" von Farid Hafez

Michael Weiss
FALTER 33/2010

Islamophober Populismus
Moschee- und Minarettbauverbote österreichischer Parlamentsparteien
Farid Hafez
VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010

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Mit Übertreibungen nimmt sich die Islamophobieforschung
den Wind immer wieder selbst aus den Segeln

Wenn in Österreich über Islamophobie diskutiert wird, ist Farid Hafez nicht weit. Mit seiner Dissertation hat der Politikwissenschaftler vergangenen Monat seine dritte wissenschaftliche Publikation zum Thema innerhalb von zwei Jahren veröffentlicht. Gegenstand sind die Minarettverbote in Kärnten und Vorarlberg. Das Ziel ist zu zeigen, dass die islamfeindlichen Argumentationsmuster der rechten Parteien auch auf die anderen abfärben.

Am Ende seiner Dissertation stellt Hafez kaum überraschend fest, dass sich nicht nur die rechtspopulistischen Parteien BZÖ und FPÖ islamophober Argumente bedienen, sondern auch die ÖVP. Angesichts der Aussagen zur angeblichen kulturellen Anders- oder Fremdartigkeit des Islam oder zum Kopftuch als politisches Signal, die immer wieder auch aus den Reihen der Volkspartei kommen, ist das nachvollziehbar. Bei der SPÖ ist das aber anders. Hier heißt es in den Schlussbetrachtungen, dass die SPÖ "den islamophoben Populismus der rechten Parteien partiell reproduziert". Die Grundlage für dieses "partielle" Urteil liefert eine einzige kurze Presseaussendung des Landesgeschäftsführers der SPÖ Kärnten, Gerald Passegger.
"Als Gaddafi-Intimus, Bauchtanz-Karikatur, Saddam-Hussein-Besucher und al-Jazeera-Vogelkundler ist Jörg Haider als Gegner des radikalen Islamismus ,lächerlich und unglaubwürdig'." Dieser eine Satz aus der Passegger-Aussendung unterstelle, so Hafez, dass all diese Dinge miteinander verbunden seien: "Unter den Deckmantel radikaler Islamismus fallen Diktatoren, der Bauchtanz und hier sogar der Auftritt in einer arabischstämmigen Fernsehanstalt." Für sich genommen mag diese Aussage problematisch sein, der Schluss, den Hafez daraus zieht, ist allerdings übertrieben: Der islamophobe Populismus der SPÖ ist nämlich derart "partiell", dass sich in allen anderen untersuchten Presseaussendungen, Wahlprogrammen und Landtagsdiskussionen keine einzige weitere Aussage findet, die dieses Urteil rechtfertigt.
Dieser leichtfertige Umgang mit dem Label "Islamophobie" verpasst der Forschung zu diesem Thema einen unangenehmen Beigeschmack. Zudem macht er die Differenzierung zwischen Islamfeindlichkeit, Kritik am Islam und Kritik an der Islamfeindlichkeit noch komplizierter. Vor allem aber bietet er Angriffsflächen für jene, gegen die man eigentlich vorgehen will.


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