"Heldendämmerung" von Ute Scheub

Veronika Seyr
FALTER 33/2010

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"Kapitalismus ist der außergewöhnliche Glaube, dass die widerwärtigsten Männer aufgrund der widerwärtigsten Motive irgendwie für den Nutzen aller arbeiten." Ein feministisches Radikalinski-Wort? Mitnichten, sondern die Kurzanalyse des liberalen Ökonomen John Maynard Keynes aus der Zwischenkriegszeit, also lange vor der aktuellen Finanzkrise. Die taz-Redakteurin Ute Scheub geht in ihrem lesenswerten Buch der Frage nach, warum Männlichkeit einen "irrationalen Überschuss an Brutalität, Terror und Waffengewalt" hervorgebracht hat.
Das gilt besonders für das 20. und 21. Jahrhundert, in denen Globalisierung und Frauenemanzipation das traditionelle Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern ins Wanken gebracht haben. "Männer, in ihrer Identität verunsichert, sind nicht böse, sondern gefährdet" – und sie gefährden die Gesellschaft. Diese These handelt Scheub unter Einbeziehung der aktuellen Forschung in alle Richtungen ab und zeigt dabei, dass nicht nur Frauen und Kinder, sondern auch Männer selbst unter der männlich dominierten Gewalt leiden – Erstere aber auch unter deren Ende.


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