"Irish Pubs" von

Martin Droschke
FALTER 31/2004

Irish Pubs
Ein Reisebegleiter durch Irland

Insel Verlag - 2004
0,00

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In Irland ist das Wetter immer beschissen. Das ist gut, denn man muss ständig in einem der 11.700 Pubs einkehren. Johann-Günther Königs Führer zu den interessantesten Trinkstätten sollte deshalb zur Pflichtausstattung jedes Reisenden gehören, sei er nun real oder nur im Kopf unterwegs. "Irish Pubs" bildet die Grundlage einer Sauftour, in deren Verlauf sich die gesamte Kulturgeschichte der Grünen Insel von selber erzählt. Wozu Kirchen, Museen und Monumente besichtigen, wenn schon immer alles Wichtige offenbar bei einem Guinness entschieden wurde? Im Schlepptau von James Joyce geht es kreuz und quer durch das Dublin der Trinker. Bei jedem Wechsel der Lokalität lernt man neue Schluckspechte von historischer Tragweite kennen, Paradebeispiele für die Promillefestigkeit der irischen Literatur. Anschließend werden die Pubs der Provinz erkundet, geht es in den Süden, in den Westen und nach Belfast. Königs Band erfüllt den Anspruch auf Vollständigkeit - und bleibt trotz aller Sauferei immer intellektuell, detailscharf und nüchtern. Und Deutschland, die Heimat des Reinheitsgebots und Weltmacht des Bieres? Seine Vormachtstellung ist gefährdet, seine Berufsbiertrinker sind zornig, seine Brauereimarken höchstens eine böse Polemik wert. Michael Rudolf scheint bei seiner "Expedition ins Bierreich" viel Schlimmes gesehen zu haben. Industriell gebraute Pilsner, Kölsch und Co. jedenfalls hält der Thüringer für kulturellen Verrat. Akzeptieren kann der "Bierscharfrichter" nur Individualprodukte aus Böhmen, aus Privatherstellung oder von Kleinbrauereien, deren Anzahl von Jahr zu Jahr sinkt. Dass Rudolf im "Pilsener Urknall" auch eine der trinkerfreundlichsten Erfindungen überhaupt in Sack und Asche schreibt, ist ihm aus der Warte des Genießers nur schwer zu verzeihen: CollKeg, das selbstkühlende Partyfass des Giganten Tucher, wird mit einem wider die Regeln des Faustkampfs ausgeführten Tiefschlag vernichtet.


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