Do-it-yourself-Desoxyribonukleinsäure

"Biohacking" von Hanno Charisius, Richard Friebe, Sascha Karberg

Karin Chladek
FALTER 11/2013

Biohacking
Gentechnik aus der Garage
Hanno Charisius, Richard Friebe, Sascha Karberg
Hanser, Carl - 2013
20,50

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Bioterror: Vor 60 Jahren wurde die DNA entdeckt. Heute kann man sie auch in der Garage erforschen

Happy Birthday, DNA! 60 Jahre ist es her, dass am 25. April 1953 in der renommierten Zeitschrift Nature ein Artikel von James Watson und Francis Crick erschien, der die Struktur unseres zellulären Erbmoleküls als Doppelhelix beschrieb. Seit damals ist die Desoxyribonukleinsäure als DNA in aller Munde. Die Biologie begann Physik und Co als gesellschaftliche Leitwissenschaft abzulösen.

Bislang war Forschung an der DNA und deren Manipulation, also Gentechnik, Profiwissenschaftlern an hoch dotierten Laboren vorbehalten, doch weltweit forschen immer mehr Laien und Freiberufler am "Code des Lebens". Die Berliner Wissenschaftsjournalisten Hanno Charisius, Richard Friebe und Sascha Karberg machten nach umfangreichen Recherchen in den USA die Probe aufs Exempel. Sie bauten mit einem Mini-Budget ein eigenes Labor auf.
Bei ihren Alltagstests – sie nahmen etwa Speichelproben von Nachbarshunden, um herauszufinden, welcher Vierbeiner sie immer mit seinen Hinterlassenschaften "verwöhnte" – verzeichneten sie vorwiegend Rückschläge, wenngleich sie auch viel dabei lernten. Ihre Do-it-yourself-Laborabenteuer verfilmte übrigens der Bayrische Rundfunk unter dem Titel "Die Gen-Köche", Ausstrahlungstermin 2013.
"Biohacking" ist eine weitgehend spannend zu lesende Mischung aus Bericht über eigene Experimente und Einblick in eine junge Wissenschaftsszene abseits der Unis, über die noch wenig bekannt ist.
Interessant, wenn auch wenig überraschend sind die juristischen Unterschiede zwischen Deutschland (tendenziell Europa) und den USA: In Deutschland ist es außerhalb von Laboren mit Sondergenehmigung verboten, die DNA verschiedener Organismen zusammenzubringen. Und ja, wie man sich das so vorstellt, sind FBI und CIA in der Biohackerszene bereits fleißig am Schnüffeln.

Interessant auch, wie unterschiedlich europäische und US-amerikanische Biohacker auf die investigativen Bemühungen reagieren: Während die Europäer von "Stasi-Methoden" sprechen und sich zunehmend weigern, an Treffen teilzunehmen, die CIA und FBI organisieren und zahlen, ist die Aufregung bei den Amerikanern mäßig, obwohl sie tendenziell direktere Ziele der US-Behörden darstellen.
Die Autoren wollten wissen, wie einfach oder schwer Laien in Europa an potenziell gefährliche Substanzen gelangen können. Der Kontext dabei: Können Personen mit terroristischen Kontakten auf eigene Faust Biowaffen anfertigen, wie es immer wieder von Sicherheitsbehörden befürchtet wird?
Im Selbstversuch stellten sie fest, dass die Vertriebsfirmen und Behörden vor dem Versand potenziell gefährlicher Substanzen (Stichwort "Double use") zwar genau nachfragten, was man damit vorhabe, aber meist nur anfangs. Ist ein Besteller einmal offiziell registriert, scheint es relativ einfach, Substanzen oder Apparaturen für Biohacking auf dem Vertriebsweg zu erhalten.

Dennoch geben die Journalisten weitgehend Entwarnung, zumindest, was Bioterror aus dem Labor anbelangt: Es sei viel einfacher, in einem botanischen Garten an Umweltgifte zu gelangen, als diese im Garagen-Biolabor herzustellen. Ein erfahrener europäischer Biohacker vergleicht die Wahrscheinlichkeit, die üblichen Laborbakterien in etwas Gefährliches zu verwandeln, mit der Umwandlung von "Word" in den Computervirus "Stuxnet".
Auch wenn die Autoren (oder der Verlag) mit dem Untertitel "Gentechnik aus der Garage" eine ähnliche Bedeutung des Do-it-yourself-Biohackings für die Biowissenschaften wie die der Garagenbastler Bill Gates & Co für die Computerwissenschaften zumindest andeuten, relativieren die Autoren solche Assoziationen explizit.
Anders als in der Anfangszeit der Computerwissenschaften sei es in der Gentechnik so, dass viele professionelle und finanziell bestens ausgestattete Labors sich gentechnischen Entwicklungen widmeten. Deshalb sei es auch kaum zu erwarten, dass bahnbrechende Entdeckungen ausgerechnet aus den Reihen der engagierten, aber mit vergleichsweise geringen Mitteln arbeitenden "Amateure" kommen würden.


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