Die offenen Adern Venezuelas

"Die offenen Adern Lateinamerikas" von Eduardo Galeano

Wolfgang Zwander
FALTER 11/2013

Die offenen Adern Lateinamerikas
Die Geschichte eines Kontinents. Neuausgabe.
Eduardo Galeano
Peter Hammer Verlag - 2009
20,60

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"Hugo Chávez war ein Tyrann", "Der Narziss von Caracas": Die Nachrufe auf Venezuelas Präsidenten, der vergangene Woche verstorben ist, fielen hierzulande meist negativ aus. Unter der seit 1999 währenden Herrschaft des demokratisch legitimierten Volkstribuns entwickelte sich die Erdöl-Großmacht Venezuela in eine zu hinterfragende Richtung (siehe auch die Seiten 7 und 20). Die Schlagworte dazu: stagnierende Wirtschaft, hohe Inflation, unproduktiver Einsatz der Petro-Dollars, autoritärer Regierungsstil, beschnittene Medienfreiheit und das Bündnis mit Ahmadinedschad.
Es gibt aber noch eine zweite, ganz andere Sicht auf Chávez, der mit Sozialprogrammen Millionen von Venezolanern aus dem Elend geholt hat. Wer die Weltsicht der Chavisten verstehen will, muss das Buch "Die offenen Adern Lateinamerikas" von Eduardo Galeano lesen. Von Mexiko bis Feuerland genießt dieses 1971 veröffentlichte Werk Kultstatus. Chávez schenkte es Obama und nannte es ein "Monument unserer lateinamerikanischen Geschichte".
Galeano beschreibt mit schöner, wuchtiger, anklagender Sprache, wie der Westen den Fluch der Verelendung über die Länder südlich der USA gebracht hat. Nach der Lektüre ist klar: Das Gestell der Brille, durch die Chávez wie ein bloßer Tyrann aussieht, wurde aus dem Edelmetall geschmiedet, das zuvor den Lateinamerikanern gestohlen worden war. Chávez scherte sich wenig um eine positive Wahrnehmung im Westen, bullig repräsentierte der Mestize den neuen Machtanspruch der nicht-weißen Mehrheit.


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