"Bummel durch Deutschland" von Mark Twain, Gustav Adolf Himmel

Elena von Schlieffen
FALTER 41/2004

Bummel durch Deutschland
Mit Illustrationen von Hans Traxler
Mark Twain, Gustav Adolf Himmel
Edition Büchergilde 2004

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Der Titel "Bummel durch Deutschland" lässt einen gemütlichen Reisebericht erwarten, und genau das liefert er auch: Mark Twain, der Schöpfer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. 1867 reist er mit seinem Begleiter Harris nach Hamburg, von wo aus die beiden im Fußmarsch zu ihrer Deutschlandreise aufbrechen wollen. Schließlich überlegen sie es sich anders und nehmen den Zug.

Über Frankfurt am Main gelangen sie nach Heidelberg, wo der Erzähler Betrachtungen über das dortige Studentenleben und dessen schlagende Verbindungen anstellt. In Mannheim hören sie sich die Oper "Lohengrin" an, die Twain für Katzenmusik hält und ihn an die Zeit erinnert, als er sich seine Zähne in Ordnung bringen ließ und das Waisenhaus abbrannte. Auf einer Floßfahrt auf dem Neckar Richtung Heidelberg genießt er die Ruhe der Natur und bemerkt zudem: "Der Neckar ist an vielen Stellen so schmal, dass man einen Hund hinüberwerfen kann, falls man einen hat."

Mit dem Idiom der Deutschen plagt sich Twain am meisten. Nach einem seiner Aufenthalte in Berlin merkt er an: "Ich glaube nicht, dass es irgendetwas auf der ganzen Welt gibt, was man in Berlin nicht lernen könnte - außer der deutschen Sprache!" Mit Feingefühl und humorvoll in Szene gesetzten Beispielen werden dem (nicht nur) deutschsprachigen Leser ungeahnte Einsichten in die Mannigfaltigkeit des Idioms eröffnet. Von der Änderung der Grammatik bis zur Abschaffung von Adjektiven macht Twain Reformvorschläge, denen der Leser sicherlich beipflichten möchte, schafft er es doch in seinem heiteren Erzählton und mit charmantem Witz, Deutschland mit anderen Augen zu sehen. Als perfekte Ergänzung illustriert Hans Traxler die skurrilsten Szenen mit trockenem Humor und Einfallsreichtum.

Ein ganzes Kapitel widmet Twain der "Rheinsage" und hat auch seine eigene Version parat. Auf einem Floß erleben Harris und Twain den Sturm des Jahrhunderts, kommen aber letztendlich wohlbehalten bei Schloss Dilsberg an, um das sich eine Sage rankt. Wie es die deutschen Sagen dem Amerikaner überhaupt sehr angetan haben: Immer wieder flicht er diese in seine Schilderungen ein, was dem Buch einen Hauch von Märchen verleiht. Die Reise geht weiter nach Baden-Baden: "Es ist eine geistlose Stadt, voll von Schein und Schwindel und mickerigem Betrug und Aufgeblasenheit, aber die Bäder sind gut." Die Wanderung in den Schwarzwald schließlich erweist sich als eine gute Gelegenheit, die Natur zu studieren und dabei insbesondere die Ameise ("ein einziger Betrug") genauer unter die Lupe zu nehmen.


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