"Essaouira, endlich" von Doris Byer

Klaus Taschwer
FALTER 7/2005

Essaouira, endlich
Doris Byer
Droschl - 2004
0,00

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"Die Welt ist ein Buch", meinte der heilige Augustinus einmal. "Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon." Wer dennoch zu Hause bleibt, kann immer noch zu Reisebüchern greifen - und so womöglich mehr über ein Land erfahren als vor Ort. Besonders gut als Reiseersatz (aber auch als Reisebegleitung) eignen sich die feinen Lesereise-Bände des Wiener Picus Verlags, der damit eine echte Marktnische besetzt hat: Journalisten und Schriftsteller, die sich in bestimmten Städten, Regionen oder Ländern besonders gut auskennen, machen diese mit Kurzreportagen und zugleich kulinarisch erfahrbar. Exemplarisch ist das dem Wiener Reisejournalisten Walter M. Weiss in seinem Band "Im Labyrinth der Träume und Basare. Marokkanische Mosaiksteine" gelungen: Auf etwas mehr als hundert Seiten und ganz ohne Abbildungen vermittelt er alles touristisch, politisch und gesellschaftlich Essenzielle dieses märchenhaften Landes im Nordwesten Afrikas.

Kulinarisch im eigentlichen Sinn des Wortes ist "Bab Doukkala oder Die Seele des Kochens", eine Art Schelmenroman, in dem ein gewisser Jaafar Ben Saoud (oder doch sein "Übersetzer" Robert Griesbeck) regelrechte Erzählwettbewerbe schildert, die sich der alte Hassan mit Köchen in einem Restaurant in Marrakesch über die Zubereitung marokkanischer Köstlichkeiten liefert. Dazu gibt es ein Marokko-Glossar und zwei Kochrezepte.

Eine anstrengende, aber umso lohnendere Lektüre bietet "Essaouira, endlich", eine berührende ethnografische Milieustudie über Aussteiger und Ansässige in jener marokkanischen Küstenstadt, in deren Umgebung Jimi Hendrix einst einige seiner legendären Konzerte gab. Die Wiener Sozialanthropologin Doris Byer betrieb viele Monate lang teilnehmende Beobachtungen unter den zugewanderten Künstlern, Hippies und Freaks, die in Essaouira das Paradies suchten, es nicht fanden und Fremde blieben - sich selbst und den Einheimischen.


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