"Adieu Sweet Bahnhof" von Stephan Katz, Max Goldt

Klaus Nüchtern
FALTER 14/2005

Adieu Sweet Bahnhof
Stephan Katz, Max Goldt
ROWOHLT Taschenbuch 2004
€ 10,30

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Vom Wahlberliner Kolumnisten Max Goldt sind im Internet 28 Buchpublikationen und 13 Hörbücher abrufbar. Der Mann schuftet aber auch schwer (obgleich er dies verneint) - unter anderem, indem er ältere Werke überarbeitet und neu herausbringt, wie eben gerade die Titanic-Kolumnen von 1993 bis 1994, die unter dem Titel "Die Kugeln in unseren Köpfen" erschienen sind. Hat man natürlich schon, muss man aber jetzt noch mal kaufen, damit man die Änderungen, mit denen Goldt die Kolumnen noch "deutlich knuspriger und adretter" gemacht hat, auch nachlesen kann; oder die erstmals in den Band aufgenommene Kolumne "Zwickender Wirrwarr", in der Goldt unter anderem danach fragt, ob es "typisch deutsch" sei, "wenn Bekleidungsgeschäfte Kisten mit überschüssigen Bügeln auf den Bürgersteig stellen, damit Flaneure sich damit gratis eindecken?" Nachdem die Frage unbeantwortet bleibt, darf hier gesagt werden: Dieser sehr sinnreiche und leider viel zu selten ausgeübte Brauch ist keineswegs "typisch deutsch".

Typisch für "rappende Zappelphilippe" hingegen ist es, sich unförmige Hosen anzuziehen und Städte mit "ihren ewig gleichen HipHop-Kringeln" zu übersäen. Katz + Max Goldt, "The Duo Who Does What Duos Should Do", sind in ihrer jüngsten Text-und-Bildchen-Kooperation, "Adieu Sweet Bahnhof", die sich unter anderem des Kongresswesens annimmt (etwa der von Björk genervten Berlinerinnen oder der Besitzer launischer Espressomaschinen), auch auf "Neue Vorurteile über HipHopper" eingegangen: "Klauen einem die Wäsche von der Leine"; "Reservieren sich um fünf Uhr morgens die Liegen am Swimmingpool, indem sie tote Katzen darauf legen". Das sind aber gar keine Vorurteile. Das ist die Wahrheit!


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