Räuber Hotzenplotz poltert

"Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete" von Otfried Preußler, Thorsten Saleina, F. J. Tripp

Kirstin Breitenfellner
FALTER 24/2018

Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete
Otfried Preußler, Thorsten Saleina, F. J. Tripp
Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH 2018
€ 12,40

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Im Mai dieses Jahres verkündete der Thienemann Verlag, dass die Tochter von Otfried Preußler, der 2013 gestorben war, im Nachlass ihres Vaters ein Bühnenstück über den wohl berühmtesten Räuberhauptmann gefunden hatte.
Die Aufregung war groß. Ein neuer Hotzenplotz, aus der Hand des Meisters selbst, und das 45 Jahren nach Erscheinen des bislang letzten dritten Bandes!
Wenige Tage später entschuldigte sich Verlegerin Bärbel Dorweiler in einer Presseaussendung: Die Geschichte sei bereits 1969 in einem „Reader’s Digest“-Band erschienen, in der auf eine Publikation von 1967 verwiesen werde. Sprich: Der neue Hotzenplotz war zwar ein Fund, aber keine Erstveröffentlichung.
„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ hat deutlich weniger Umfang als die anderen drei Bände „Der Räuber Hotzenplotz“ (1962), „Neues vom Räuber Hotzenplotz“ (1969) und „Hotzenplotz 3“ (1973). Das liegt daran, dass die Theaterfassung durch Susanne Preußler-Bitsch (unter Mitarbeit von Katharina von Savigny) in ein Prosastück umgewandelt und dabei nur behutsam ausgeschmückt wurde. Natürlich kalauern die beiden Freunde Kasperl und Seppel weniger als beim Herrn Papa, aber sie schafft – ebenso wie die Illustrationen von Thorsten Saleina – den Spagat zwischen klassisch und zeitgemäß.
Das Thema Mondrakete lag in den 1960er-Jahren in der Luft: Die globalen Kontrahenten USA und UdSSR lieferten sich ein Wettrennen zum Erdtrabanten, das die USA bekanntlich 1969 gewannen. Die Handlung ist schnell erzählt: Hotzenplotz gelingt es nach zwei Wochen durch eine Unachtsamkeit von Wachtmeister Dimpfelmoser, aus dem Spritzenhaus auszubrechen. Kasperl und Seppel bauen, um ihn einzufangen, aus Pappe und silberfarbenem Klebeband eine Mondrakete und reden dem finanziell ausgebrannten Räuberhauptmann ein, dass sie damit zum Mond fliegen wollen, weil der ganz aus Silber sei.
Der fällt prompt darauf rein und will gleich selbst dorthin fliegen. Damit machen Kasperl und Seppel das Rennen um die Verhaftung – und werden zum Schluss von der Großmutter mit Schwammerlsuppe mit Knödeln belohnt. Eine nette Zuspeise zum bisherigen Hotzenplotz-Universum.


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