Auf der Suche oder: Goodbye Hofkirchen!

"Das Gesetz des Dschungels" von Sabine Scholl

Sebastian Fasthuber
FALTER 24/2018

Das Gesetz des Dschungels
Roman
Sabine Scholl
Secession Verlag für Literatur 2018
€ 24,70

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Die in Berlin lebende Österreicherin Sabine Scholl (Jg. 1959) zählt zu einer Generation von Autorinnen, der zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. Mehr Presse bekommen junge Schriftstellerinnen, mehr Preise gleichaltrige oder ältere Männer. Dazu kommt, dass Scholl zwei Kinder großzogen und ihre Laufbahn daher mehrere Brüche hat.
Beim Secession Verlag ist sie nun gut verankert. „Das Gesetz des Dschungels“ ist der dritte Roman innerhalb von fünf Jahren und ergibt mit den Vorgängern eine thematisch lose verknüpfte Trilogie. In „Wir sind die Früchte des Zorns“ ging es um die Frage, wie man als Frau und Mutter leben kann, ohne sich als Künstlerin aus den Augen zu verlieren. „Die Füchsin spricht“ erzählte vom Verlust der Sicherheit und Prekariat. Nun legt Scholl einen inhaltsstarken Roman über eine Tochter-Vater-Beziehung und Heimatsuche, über Reiselust und das Erbe des Kolonialismus vor.
Ausgangspunkt ist die späte Annäherung einer Jugendfreundin der Autorin an ihren Vater. Mit 35 lernt Veronika, wohnhaft im oberösterreichischen Nest Hofkirchen, den Singhalesen kennen, dem sie ihren etwas dunkleren Teint verdankt. Der Erzeuger entpuppt sich als rastloser Geschäftemacher und schwieriger Charakter, der sich stets verdrückt, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen. Oft taucht er einfach unter. Veronika verliebt sich in Sri Lanka und beginnt eine Fernbeziehung mit einem jungen Singhalesen. Sowohl sie als auch der Mann, der mit ihrer Hilfe etwas aus sich machen möchte, sehen die Sache als Investment.
In klarer Sprache und bisweilen mit bösem Witz erzählt Sabine Scholl von Menschen, die immer auf der Suche sind und vor lauter Rastlosigkeit nie ankommen können, ja es eigentlich gar nicht wollen. Immer bleibt noch ein Traum unerfüllt oder es ist ein Flieger dringend zu erwischen. „Das Gesetz des Dschungels“ ist das reflektierte Gegenstück zur Auswanderer-TV-Show „Goodbye Deutschland“ und obendrein unterhaltsamer.

Lesung am 21.6. in der Alten Schmiede


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