"nichts, was uns passiert" von Bettina Wilpert

Dominika Meindl
FALTER 36/2018

nichts, was uns passiert
Roman
Bettina Wilpert
Verbrecher - 2018
19,60

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War es Vergewaltigung oder einvernehmlicher Sex? Aussage steht gegen Aussage. Die Wahrnehmungen von Anna und Jonas divergieren maximal: Sie hat einen Filmriss, er hat ein Kondom verwendet, das tut ein Gewalttäter doch nicht! „Nichts, was uns passiert“ ist eine Sammlung von Zeugenaussagen, die zunächst wie ein Protokoll wirkt. Das täuscht. Wilpert legt ein bemerkenswertes Debüt vor, eine außergerichtliche Wahrheitsfindung jenseits des Täter-Opfer-Schemas, dazu psychologisch präzise.

Die Freunde der beiden wollen lieber an die Unschuld des sanften Jonas als der trinkfesten Anna glauben. Es bleibt unklar, wer hinter dem Ich steht, das alle Fakten zusammenträgt, es bleibt überparteilich. Das verleiht dem Roman ein Moment der Spannung und macht ihn zu einer triftigen literarischen Auseinandersetzung mit „rape culture“, politischer Korrektheit und #MeToo.


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