Straches Hagiografie

"HC Strache" von Martin Hobek

Nina Horaczek
FALTER 48/2018

HC Strache
Vom Rebell zum Staatsmann
Martin Hobek
Stocker, L - 2018
22,00

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Bei einem Fußballmatch macht Zuschauen auch Spaß, wenn man erst in der zweiten Halbzeit einsteigt. Wer aber eine Biografie von FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache erst im Jahr 2003 beginnt, verzichtet bewusst auf biografische Schmankerln.

Die wilden Jahre, auf die sich, so könnte man meinen, der Untertitel „Vom Rebell zum Staatsmann“ bezieht, die waren da längst vorbei: die Neonazi-Aufmärsche, auf denen Strache in seiner Jugend teilnahm, die Wehrsportübung des Neonazis Gottfried Küssel, die Strache besuchte. Straches enge Verbindung zu Norbert Burger, einer der wichtigsten Persönlichkeiten der österreichischen Neonaziszene.

Aber auch ein Blick auf die Jahre ab 2003 könnte spannend sein, hätte sich der Autor getraut, sie auch offen zu beschreiben. Schließlich kennt der Buchautor Martin Hobek – nach Angaben des Verlags „Straches langjähriger Weggefährte und kritischer Begleiter“ – den FPÖ-Chef seit Jahrzehnten, ist selbst FPÖ-Politiker in Wien und hat sicherlich viel Insiderwissen. Denn Hobek war unter anderem Mitbegründer der „Plattform Siegfriedskopf“ an der Universität Wien, eines Hotspots der rechtsradikalen Szene der 1990er-Jahre.

Aber das, was er auf 253 Seiten abliefert, ist nicht die versprochene Auseinandersetzung mit der Person Strache, die Rekonstruktion des „politischen und persönlichen Wegs aus der eigenen Erinnerung und den Berichten wesentlicher Zeitzeugen“. Es ist eine Ramasuri an Themen, die den Autor ärgern oder ihm besonders gut gefallen. Da wird zum Beispiel dem Ärger darüber, dass der frühere Wiener Bürgermeister Michael Häupl den FPÖ-Jungspund Max Krauss nicht mochte und ihm nicht den Posten des Vize-Stadtschulratspräsidenten gab, in einem Kapitel nachbehandelt. Insgesamt ein Buch, das mehr über den Autor verrät als über die Person, die er porträtieren wollte.


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