"Postmann" von J. Robert Lennon, Friedrich Mader

Sebastian Fasthuber
FALTER 25/2005

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Eine Schande eigentlich, dass dieser Roman ohne großes Aufsehen gleich als Taschenbuch auf den Markt geworfen wird. Der amerikanische Autor J. Robert Lennon bräuchte sich hinter Landsleuten wie Jonathan Franzen oder Richard Powers nicht zu verstecken, sein "Postmann" nicht hinter den "Korrekturen" oder dem "Klang der Zeit". Allein: Buch und Autor sind wahrscheinlich zu uneitel und bescheiden für den großen Verkaufserfolg. Wo andere ihre Bildung demonstrieren, tritt Lennon ganz hinter seine Geschichte zurück und überlässt den Lauf der Dinge seiner grandios gelungenen, tragikomischen Hauptfigur. Albert Lippincott ist Postler in einer kleinen Universitätsstadt. Und er zweigt Briefe ab. Er stellt sie zwar zu, aber erst, nachdem er sie gelesen, fotokopiert und archiviert hat. Lennon zeichnet seinen Protagonisten als einsamen Verlierer, einen Helden unserer Zeit. Lippincott begreift sich selbst als ordnungsliebend und pflichtbewusst, ist aber längst an diesen Werten irre geworden. "Postmann" erzählt das letzte Kapitel seines schleichenden Abstiegs als irrwitzige Höllenfahrt. Ein großer amerikanischer Roman, der aber im Prinzip für alle postindustriellen Gesellschaften Gültigkeit hat.


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