"Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein" von Hallgrimur Helgason, Karl-Ludwig Wetzig

Sebastian Fasthuber
FALTER 25/2005

Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein
Hallgrimur Helgason, Karl-Ludwig Wetzig
Klett-Cotta - 2005
0,00

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Was weiß man schon von Island? Es gibt dort Geysire, viel Landschaft, weniger Bevölkerung, darunter immerhin eine der bemerkenswertesten Sängerinnen unserer Zeit. Und es gibt aktuell eine Reihe ins Deutsche übersetzter Romane, die die Isländer als äußerst pfiffige Literaten ausweisen.

Allen voran steht Hallgrímur Helgason. Gar nicht bescheiden, wendet er sich in seinem jüngsten Roman "Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein" einem Säulenheiligen seines Landes zu. Die Hauptrolle in dem ebenso ambitionierten wie voluminösen Roman spielt der isländische Literaturnobelpreisträger Halldor Laxness (1902-1998), der sich bei Helgason als alter Mann eines Tages in einer ihm zunächst völlig unbekannt vorkommenden Landschaft wiederfindet. Er kann sich weder an seinen Namen noch groß an Ereignisse in seinem Leben erinnern. Nur schleichend geht dem Identitätslosen auf, dass er in einem seiner eigenen Bücher gelandet ist.

Helgason hat einen Schlüsselroman geschrieben, der in Island wegen seiner ironisch-respektlosen, zugleich aber auch liebevollen Zeichnung von Laxness lebhaft diskutiert wurde. Die gute Nachricht aus hiesiger Perspektive: Es ist nicht nötig, über den porträtierten Autor und sein Werk Bescheid zu wissen, um seinen Spaß an den Missgeschicken und Launen des störrischen Greises zu haben.

Wer's dennoch etwas jetztzeitiger und pointierter möchte, der sollte mit dem skurillen Roman "Die Haustiere" glücklich werden. Dessen Verfasser Bragi Ólafsson war in den Achtzigerjahren Mitbegründer von Björks Kapelle The Sugarcubes, macht aber auch als Schriftsteller eine sehr gute Figur. Noch mehr als bei Helgason imponiert bei ihm, wie lakonisch und unprätentiös er im Vergleich zu vielen deutschsprachigen Kollegen erzählt. Auch die Story ist simpel, aber effektiv: Ein Mann kehrt von einem Aufenthalt in London zurück nach Reykjavik. Kaum hat er seine Wohnung betreten, läutet es. Vor der Tür steht ein Besucher aus der Vergangenheit, den er lieber nicht wiedersehen würde. Als der Mann gewaltsam einzudringen versucht, verkriecht sich der Bewohner unter sein Bett. Als immer mehr Menschen seine vier Wände bevölkern, fühlt er sich dort zunehmend als Fremdkörper.

"Die Haustiere" ist ein kleiner Leckerbissen des Absurden, der die Isländer nebenbei als sehr trinkfreudiges Völkchen darstellt.

Morde passieren in Island denn auch vor allem im Rausch und anderen Zuständen der Raserei, ansonsten kommt es kaum zu Gewaltverbrechen. Umso beliebter sind die Island-Krimis von Arnuld Indridason, der als einer der europaweit führenden Exponenten des Genres gilt. In "Menschensöhne" geht sein übellauniger Kommissar Erlendur einer rätselhaften Häufung von Todesfällen bei ehemaligen Schulkollegen nach und stößt auf ein Netz aus Kindesmissbrauch, Genexperimenten und Raffgier. Klingt übertrieben reißerisch? Ist es auch. Für an derlei Inhalte gewöhnte Krimifreunde lohnt der Roman wegen seiner sehr fein gezeichneten Figuren dennoch die Lektüre.


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