"Die Reise" von Bernward Vesper

Martin Droschke
FALTER 31/2005

Die Reise
Bernward Vesper
März bei Arena 2005

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Neunzehneinundsiebzig nahm sich der Publizist Bernward Vesper das Leben. Bei einer Biografie wie der seinen verwundert das nicht: Bis 1961 schrieb er für nationalistische Magazine; um 1968 publizierte der Ehemann der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin neben einem der Zentralorgane der radikalen Linken auch die Blut-und-Boden-Literatur von Hitlers erklärtem Lieblingsschriftsteller, Vespers Vater Will. Der nie gelöste Loyalitätskonflikt, der Vesper den Ausweg Tod wählen ließ, liefert einigen zeitgeschichtlichen Zündstoff, und eine psychologische Analyse des Aufbegehrens der Studenten gegen die Vätergeneration, zu der der Fall Vesper zwingt, würde wohl auch am Mythos einer von hehrer Moral getriebenen Bewegung kratzen. Vespers monströses und kaum lesbares Romanfragment "Die Reise" versucht, eine Selbstanalyse mit einer literarisierten Theorie der antiautoritären Linken zu verzahnen, und ist nun in einer lange vorbereiteten Neuausgabe der 68er-Verlegerlegende Jörg Schröder herausgekommen.

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