"Manga Design" von Julius Wiedemann

Nicole Scheyerer
FALTER 36/2005

Manga Design
Julius Wiedemann
Taschen - 2004
0,00

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Jeden Tag werden in Japan quer durch alle Altersstufen Millionen von Mangas verschlungen. Die erhobene Lesegeschwindigkeit pro Seite beträgt nur vier Sekunden. Mit der Schau "Uaaaaa!!! Manga. Zur Ästhetik einer Trashkultur" führt das Mak (bis 4.12.2005) anhand von zwei Beispielen in die Machart der Nipponcomics ein. Der Begriff "Trashkultur" soll sich hier nur darauf beziehen, dass die billig gedruckten Comicbücher nach Konsumation auf dem Müll landen. Ein bisschen trashig wirkt aber auch die Ausstellung selbst. Es werden keinerlei Originale, sondern nur Computerausdrucke gezeigt. Das ist schade, denn gerade die unterschiedlichen Entstehungsstadien eines Manga, von der ersten Handzeichnung bis zum Computer-Finish, wären interessant gewesen. Die zwei ausgewählten Beispiele, eine Liebesgeschichte von Fuyumi Soryo und ein Sportcomic von Tokihiko Ishiki, machen den starken Einfluss kinematografischer Bildtechniken wie Zoom oder Schnitt-Gegenschnitt deutlich. Im 19. Jahrhundert gab der Künstler Hokusai 15 Skizzenbücher mit dem Titel "Manga" heraus. Wenn das Mak ab 28. November seine tolle Sammlung von japanischen Farbholzschnitten präsentiert, dann ergibt sich für wenige Tage die Möglichkeit, die historischen Vorbilder mit der Gegenwartsform zu vergleichen.

Von den westlichen Comics unterscheidet die Mangas vor allem ihre unglaubliche Themenvielfalt. Der dicke Bildband "Manga Design" stellt 140 Zeichner und damit die vielfältigen Genres vor. Osamu Tezuka war Ende der Vierzigerjahre maßgeblich für die Geburt des modernen Manga und seine erstmals erwachsene Leserschicht verantwortlich. Tezuka nahm starke Anleihen beim deutschen und französischen Film und schuf den ersten Cyborg der Geschichte, den liebenswürdigen Astro Boy. Die Texte der Taschen-Publikation geben zwar wenig her, aber dafür liegt dem Buch eine DVD bei, die zu nerdigen Mangakünstlern und in Tokioter Comicshops führt.


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