10 Jahre, 10 Platten

"Sofa Surfers" von Sofa Surfers

Sebastian Fasthuber
FALTER 43/2006

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Auf ihrem jüngsten Album präsentieren sich die "Sofas" entschlackt. Die Computer haben weitgehend Pause, im Zentrum steht der Bandgedanke. Das erinnert streckenweise an Postrock, wird durch Mani Obeyas beseelten Gesang aber auf ein neues Plateau gehievt.Die Formation um Hannes Duscher unternahm Mitte der Neunziger den Versuch, einen Bandkontext mit der Begeisterung für elektronische Grooves zusammenzubringen. Erfolgreich, aber mit Ablaufdatum: Dieses Album samt Remixes von Terranova, Pulsinger & Co blieb ihr einziges.Das Duo Mika, bestehend aus Matthias Kertal und Simon Nola, zählt zu den weniger bekannten Namen in der Klein-Familie. Mit ihren luftigen Stücken, die mal mehr Elektronik, mal mehr Pop beinhalten, setzen sich die beiden sympathisch zwischen alle Stühle.Kevin Martin von den Lautstärkerekordbrechern Techno Animal lässt es auch mit seinem Soloprojekt The Bug, dem nunmehr sein Hauptaugenmerk gilt, krachen. "Pressure" ist Dancehall/Reggae in Brachialform, unterstützt von fähigen Stimmen - bitterböse Bubenmusik.Noch einmal Buben, noch einmal Basswaffen: Stefan Mörth alias Stereotyp, der aktuell das tolle Album "Keepin' Me" am Start hat, betreibt mit einem deutschen Spezi unter dem Banner "Digital Dancehall" angewandte Soundwissenschaft. So futuristisch und entmenschlicht kann klingen, was als Reggae begann.Die Geschichte von Klein ist untrennbar mit der Geschichte der Sofa Surfers verbunden, deren Platten sich durch den Labelkatalog ziehen. Ursprünglich als Trendsurfer des Kruder-&-Dorfmeister-Hypes angesehen, zeigte schon ihr Debüt zwischen Dub und schweren Grooves einiges Potenzial.Beat Sollèr alias Seelenluft ist der Label-Schweizer und bringt es bereits auf drei Alben. Das erfolgreichste war sein zweites, weil es den grenzgenialen "Tanzen ohne Gurt"-Hit "Manila" enthält, gesungen vom damals zwölfjährigen Michael Smith.Ein Sofa Surfer auf Solopfaden, ein Höhepunkt im Klein-Backkatalog. Der Liebe wegen hin und her gerissen zwischen Wien und Los Angeles, schuf Wolfgang Schlögl alias I-Wolf ein modernes Soulalbum, das seinen Reiz aus der Reibung gefühlvoller Vocals mit dröhnenden Klangwällen bezog.Das deutsch-englische Duo hat nicht nur hübsch klickende Technosounds, sondern verfügt mit Alex Taylor auch über eine faszinierende Stimme, die Melancholie und Pathos vergangener Tage in die musikalische Gegenwart führt. Ihr Album für Klein haben Coloma mit Band und Bläsern eingespielt.


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