"Morph The Cat" von Donald Fagen

Klaus Nüchtern
FALTER 14/2006

Morph The Cat
Donald Fagen
Warner Bros. Records 2006
€ 10,90

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Warum legt der Mann seine beachtliche Oberlippe, über der jetzt ein messerscharfer Dreitageschnurrbart schwebt, immer in so verächtliche Wellen, als würde es gleich Ohrfeigen regnen? Der 58-jährige Donald Fagen, Hälfte der tief im vierten Lebensjahrzehnt stehenden Band Steely Dan, könnte sich eigentlich zurücklehnen und das passende Getränk zu seiner Musik nehmen - trockene Martinis. Stattdessen hat er nach 13 Jahren ("Kamakirad") wieder ein Soloalbum eingespielt. Die gute Nachricht: Der Titelsong, der da über einen gnadenlos effektiven und satt produzierten Groove in Schichtbauweise errichtet wird und immerhin 13 Leute beschäftigt, ohne dass es je überladen klänge, ist vintage Fagan - ein cooler Feger, der an Steely-Dan-Zeiten vor dem letzten, missglückten Album ("Everything Must Go", 2003) anknüpft. Die schlechte Nachricht: Den Rest kann man eigentlich vergessen. Mit 53 Minuten reizt "Morph the Cat" (Warner) die (leider) CD-üblichen Längen keineswegs aus, und doch wird einem die Zeit schnell lang: Zu gleichförmig schmiert sich die ewig gleiche transpirationsfreie Funkiness und deren fragwürdige Koketterie mit Gebrauchsmusik für die Business-Class-Lounge über das Album, das auch vor Ausflügen in Richtung ranziger Jazzpop-Ballade nicht zurückschreckt und am Schluss noch zur Reprise des Openers greift - wohl wissend, dass man den Hörer besser noch mal an "Morph the Cat" erinnert.


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