Von Kärnten nach Amerika

"Alpine Aspects" von Wolfgang Puschnig

Klaus Taschwer
FALTER 20/2006

Alpine Aspects
Wolfgang Puschnig
Amadeo - 2006
0,00

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Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation steht auch Wolfgang Puschnigs neueste Platte "Late Night Show", die er mit seiner Exfrau Linda Sharrock verantwortet und die entsprechend zwei Teile hat. Gemeinsam mit langjährigen Weggefährten wie Woody Schabata, Achim Tang und dem verstorbenen Bumi Fian nahmen sie sich einige Klassiker des Great American Songbook vor. Und es gelingt ihnen dabei tatsächlich, den zum Teil totgespielten Standards neue Facetten abzuringen. Das liegt weniger an den poetischen Zwischentexten des FM4-bekannten DJs Joe Remick als an der im besten Sinne des Wortes eigensinnigen Stimme Linda Sharrocks, die den Interpretationen eine ganz eigene aparte Note verleiht und sie dezent abhebt vom üblichen glatten Caffè-latte-Wohlklang von Krall & Co.Mittlerweile ist es auch schon wieder genau 15 Jahre her, dass Wolfgang Puschnig seine bislang vielleicht beste, sicher aber originellste Platte einspielte: "Alpine Aspects". Rechtzeitig zu seinem fünfzigsten Geburtstag wurde diese nach wie vor unterschätzte Großtat der jüngeren Jazzgeschichte neu aufgelegt und verdient auch noch 2006 eine gebührende Würdigung. Noch bevor die "neue Volksmusik" von Hubert von Goisern & Co fröhliche Urständ feierte, nahm sich der kosmopolitische Kärntner mit viel Ernst, Herz und Witz der alten, traurigen Lieder seiner Heimat an, die ihm sein Großvater vorgesungen hatte, und holte sie in die Gegenwart.

"Das ist keine ,moderne Volksmusik'", ließ Puschnig damals programmatisch im Begleittext verlauten, "es ist auch keine Kombination von Volksmusik und ,Jazz', oder welchen Begriff auch immer man dafür erfinden mag." Tatsächlich ist das Ganze viel mehr als die Summe seiner Teile, die bis dahin völlig unvereinbar erscheinen mussten: Denn wie bitte sollte eine österreichische Blasmusikkapelle zum fetten Funk des E-Bassisten Jamaaladeen Tacuma passen, gerade Marschtakte zu schrägen Jazzrhythmen und die Harmolodik von Ornette Coleman zur Funktionsharmonik hiesiger Volksweisen?

Noch heute kann man darüber staunen, wie weit Puschnig damals seiner Zeit voraus war und wie souverän es ihm gelingt, die einfachen Klänge aus seiner Kindheit mit dem musikalischen Kosmos eines erwachsenen Jazzmusikers zusammenzubringen. Mitunter lässt er diese beiden Welten hart aufeinander prallen, mitunter gehen sie fließend ineinander über, dann wieder verschmelzen sie in einer stimmungsvollen Synthese. All das wird alles andere als technisch perfekt, dafür aber mit einer Extraportion Herz und Seele dargeboten.

Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation steht auch Wolfgang Puschnigs neueste Platte "Late Night Show", die er mit seiner Exfrau Linda Sharrock verantwortet und die entsprechend zwei Teile hat. Gemeinsam mit langjährigen Weggefährten wie Woody Schabata, Achim Tang und dem verstorbenen Bumi Fian nahmen sie sich einige Klassiker des Great American Songbook vor. Und es gelingt ihnen dabei tatsächlich, den zum Teil totgespielten Standards neue Facetten abzuringen. Das liegt weniger an den poetischen Zwischentexten des FM4-bekannten DJs Joe Remick als an der im besten Sinne des Wortes eigensinnigen Stimme Linda Sharrocks, die den Interpretationen eine ganz eigene aparte Note verleiht und sie dezent abhebt vom üblichen glatten Caffè-latte-Wohlklang von Krall & Co.


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