Für immer jung

"WOLFMOTHER" von Wolfmother

Gerhard Stöger
FALTER 23/2006

WOLFMOTHER
Wolfmother
INTERSCOPE - 2006
10,90

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Unüberhörbar von ihnen beeinflusst ist das in seiner Persönlichkeit und Leidenschaftlichkeit angenehm aus der Flut aktueller Rocklangweiler herausragende Duo Giant Drag. "Hearts and Unicorns" (Kickball/Universal) erinnert dran, dass abseits jeglicher Retrohysterie auch heute noch eine Form von Indierock existieren kann, die wenig mit Kalkül und sehr viel mit einem großen Herz zu tun hat. Dazu haben Giant Drag mit Chris Isaaks "Wicked Game" auch eine ebenso überraschende wie gelungene Coverversion im Programm. Wolfmother aus Australien sind dagegen in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern zu Hause und spielen auf "Wolfmother" (Modular/Interscope/Universal) unentwegt nach vorne drängenden Triorock mit mehr als nur einer Hummel im Popo. Nicht nur in skandinavischen Garagen weiß man also nach wie vor, wozu die Kombination aus einer Gitarre, einem Bass, einem Schlagwerk und einer Gesangsanlage gut sein kann. Der Motor wurde hier schonungslos auffrisiert, die Karosserie großzügig tiefer gelegt - und los geht es mit Karacho. Ein unschuldiger, aber nicht zu verachtender Spaß! Nur besoffenen Fußballfans sei hingegen "Blood Sweat & Towers" (TVT/Edel) von Towers Of London über den schnellen Adrenalinkick hinaus empfohlen: Das britische Quintett wirkt in seinem Mix aus Achtzigerjahre-Mopedmetalirrtümern und einer verwaschenen Erinnerung an Punk wie der schlechte Scherz einer zynischen Castingagentur für die lückenlose Zweit-und Drittverwertung historischer Rock-'n'-Roll-Aufreger.Beruhigend, wie toll das Älterwerden sein kann. Zuletzt haben bereits Red Krayola und Die Goldenen Zitronen sensationelle Platten veröffentlicht, jetzt erstrahlen auch die nach Jim O'Rourkes Japan-Umzug wieder zum Quartett geschrumpften Sonic Youth auf "Rather Rippled" (Geffen/ Universal) in einer schon sehr lange nicht mehr gehörten Pracht. Es hat einfach (wieder) etwas Magisches, wie Kim Gordon, Thurston Moore, Lee Renaldo und Steve Shelley hier Eleganz mit Konzentration und Harmonie mit Lärm kombinieren; alles immer scheinbar selbstverständlich und bei aller Dichte ungemein leichtfüßig. Vermutlich wird man dieser Tage nicht nur einmal "Die beste Sonic-Youth-Platte seit " zu lesen bekommen - es ist aber auch jede Euphorie angebracht: "Rather Rippled" ist ein glitzerndes Meisterwerk und Sonic Youth einen wunderbaren Moment lang wieder die beste Band der Welt.


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