Heimvorteil in F

"Fantasia Italiana" von Christoph Hartmann, Giuseppe Verdi

Carsten Fastner
FALTER 1-2/2007

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Die größte Überraschung beim Neujahrskonzert war heuer - das Pausenprogramm. Ergaben sich die blümchenumrankten Wiener Philharmoniker unter Zubin Mehta einmal mehr der sentimental betulichen Huldigung einer Wiener Form überkommener Urbanität, so machte sich der Pausenfilm wie gewohnt daran, die ruralen Reize der Republik zu rühmen. Sein Soundtrack aber hatte es in sich. Gar nicht so sehr aufgrund der gelungenen, aber erwartbaren Programmzusammenstellung besonders österreichisch klingender Schmankerln von Strauß, Schubert, Mahler, Bruckner, Brahms. Nein, wie da gespielt, genauer gesagt: geblasen wurde, das war schlicht atemberaubend.

Die 14 Hornisten der Vienna Horns und das personell verbandelte Blechquintett von Art of Brass (zweimal Trompete, Horn, Posaune, Tuba) zeigten sich hochvirtuos und auf den Punkt präzise, dabei geschmeidig, agil und vor allem so farbenreich, wie man es von einer vermeintlich monochromen Besetzung einfach nicht erwarten würde. Spieltechnisch herausgefordert werden sie dabei auch noch von der eigenwilligen Bauart ihrer Instrumente, samt und sonders Wiener Hörner in F, die praktisch kein Orchester außerhalb Wiens mehr verwendet. Die vertrackten Dinger klingen freilich deutlich besser als "modernere" Modelle, was die ausgezeichneten Arrangements (von Alexander Wagendristel, Heinrich Bruckner u.a.) als Heimvorteil zu nutzen wissen. Nun ist das Programm, auf sechzig Minuten erweitert, unter dem Titel "Wandern mit Strauß, Schubert, Brahms" (ORF) auch auf CD erschienen.

Auf gute Arrangements greift auch Christoph Hartmann zurück, der es als Oboist der Berliner Philharmoniker schaffte, ein virtuoses Soloprogramm für sein rares Instrument einzuspielen. Für "Fantasia Italiana" (Emi) grub er in sizilianischen Archiven Bearbeitungen von Verdi-Opern aus, die der Virtuose Antonio Pasculli (1842-1924) für Klavier und Oboe anfertigte; hier sind die Fantasien und Rimembranze zu "I vespri siciliani", "Trovatore", "Traviata" und "Rigoletto" sogar orchestriert (Wolfgang Renz) zu hören.

Wer ein bisschen tiefer in der Musikgeschichte gräbt, findet auch schon im spanischen Rokoko solistische Literatur für Oboe, sogar in Originalkompositionen. Das international besetzte Ensemble Rossi Piceno erinnert mit sechs Trios für zwei Oboen und Continuo an die Brüder Joan Baptista und Josep Pla (Ramée/Gramola), die als Komponisten und Virtuosen um 1750 in weiten Teilen Europas für Furore sorgten.


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