"Sag nein zu mir"

"Nah an mir" von Sabina Hank

Gerhard Stöger
FALTER 7/2007

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Weniger am Jazz als vielmehr am Pop orientieren sich die Chansons der jungen deutschen Sängerin Lea Finn; ihr Debüt "FinnLand" (Sony BMG) zielt wohl auf ein Publikum, das auch eine Annett Louisan gut findet. Mit Songtiteln wie "Ich weiß und du weißt", "Kann nicht ohne dich" oder "Sag nein zu mir" scheint die von Xavier Naidoos Produzenten Florian Sitzmann betreute Bremerin nicht weit von Sabina Hank entfernt, inhaltlich setzt sie im Gegensatz zur Salzburgerin aber vor allem auf leicht verdauliche Belanglosigkeiten. Ihre Stimme wiederum erweist sich mit Fortdauer des Albums zusehends als Stimmchen, das bei der Charismavergabe offenbar etwas spät dran war.
Die oberösterreichische Sängerin Petra Linecker bringt etwas mehr vokale Autorität mit; sie strahlt eine gewisse lebenserfahrene Abgeklärtheit aus, ohne deshalb gleich abgestumpft zu wirken. Linecker singt ebenfalls deutsch, große Texterin ist sie aber leider keine. Und auch musikalisch bewegen sich die Lieder ihres Albums "Desiderata" (ATS Records) etwas unschlüssig zwischen Jazzgefälligkeit, Soultouch, anspruchsvollem Austropop und einem gewissen Esoterikeinschlag. Anstatt eines Schlagzeugers beschäftigt Linecker einen Drumcomputer; Klavier und Bass komplettieren die Instrumentierung einer trotz passabler Momente doch sehr länglich und bemüht wirkenden Platte.Im deutschen Schlager kann alles ganz einfach sein. Singt die Münchener Freiheit etwa: "Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein/ohne dich fahr ich heut Nacht nicht heim/ohne dich komm ich heut nicht zur Ruh/das, was ich will, bist du", so lässt das keine Fragen offen, ohne deshalb gleich peinlich zu werden. Sabina Hank hätte auf "Nah an mir" (Universal) zwar einschlägige Songtitel wie "Nimm mir nicht die Liebe weg", "Wein für mich" oder "Weil ich dich liebe" im Angebot; um den Schlager macht die Salzburger Sängerin und Pianistin aber einen großen Bogen und setzt stattdessen auf eine im Jazz geerdete Mischung aus Chanson und Liedermachertum. Musikalisch geht diese Rechnung durchaus auf: Im Trio mit dem Percussionisten Stephan Maass und dem Kontrabassisten Alex Meik eingespielt, bieten sich die zwölf intim arrangierten Lieder als unaufdringlicher Soundtrack für ereignisarm verlaufende blaue Stunden an. Hanks kontrolliert emotionaler Vortrag geht auch in Ordnung, mit ihren aufgesetzt poetisch um das ewige Thema der großen Gefühle kreisenden Texten tut sie sich aber keinen Gefallen.


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