Swingt Descartes?

"3 Trilogy - 30th Anniversary Box" von Vienna Art Orchestra

Klaus Nüchtern
FALTER 18/2007

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Wenn Menschen ihren Dreißiger feiern, gehen sie in unseren Breitengraden noch als "jung" durch. Aber wie ist das mit einer Band? Es ist jedenfalls eine sehr beachtliche Leistung, einen derartig komplexen Organismus über drei Jahrzehnte am Leben und Laufen zu halten. Und es ist natürlich das Verdienst von Mathias Rüegg als Leiter, Dirigent, Komponist und Produzent des Vienna Art Orchestra, dass dieses Schlachtschiff noch über die Weltmeere segelt. Dass es dabei auch Algen, Muscheln und etwas Rost angesetzt hat, liegt in der Natur der Sache; und dass nicht jeder österreichische Jazzmatrose, der später selbst Kapitän werden will, zunächst einmal die Planken auf der MS VAO geschrubbt haben muss, ist für die Vielfalt der heimischen Szene wohl ganz gut so.

Während es anderswo brodelt, arbeitet das VAO in den letzten Jahren mit Programmen, die u.a. George Gershwin, Duke Ellington oder Johann Strauß gewidmet waren, am eigenen Klassikerstatus. Das epische Geburtstagsständchen, das man sich auf "3" (3 CDs, Universal) gleichsam selbst singt, unternimmt einen weiteren Dreisprung in diese Richtung. Verfahren wird nach dem Schema These - Antithese - Synthese, weswegen es eigentlich undankbar ist, dass Georg Wilhelm Friedrich Hegel in dem "European Visionaries" genannten zweiten Teil nicht vorkommt (Kant schon). "American Dreams" erweist 13 Hollywood-Diven seine Reverenz, die in "Visionaries & Dreams" dann den Altweltdenkern begegnen (also zum Beispiel: "Rita Hayworth meets Isaac Newton").

Die (amerikanischen) Frauen sind fürs Schönsein zuständig, die (europäischen) Männer fürs Klugsein - so weit, so abgeschmackt. Dass Ava Gardner ein Jungle-Style-Interlude kriegt, mag noch angehen ("Mogambo"?!), warum man Josephine Baker ein dermaßen groteskes Gitarrenmuckertum aufbrummt, bleibt so rätselhaft wie vieles. Musikalisch geht das Kalkül, amerikanischen Bigbandsound mit einer stärker kammermusikalisch und sinfonisch orientierten europäischen Tradition zu verschmelzen, nur sehr bedingt auf: In erster Linie klingt es in seiner hyperdynamischen Virtuosität etwas altbacken - eben nach VAO.


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