Früchte des Zorns

"Paroli" von Texta

Sebastian Fasthuber
FALTER 39/2007

Paroli
Texta
GECO Tonwaren 2007
€ 15,70

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Wieder einmal beweisen die heimischen Vorzeigerapper Texta, dass HipHop auch heute noch widerständiges Potenzial hat.

Wo bleibt die Revolution? Dem HipHop scheint sie als Idee abhandengekommen zu sein, und auf die Jungen ist kein Verlass mehr. Rap, so man ihn als halbwegs kredibile Unterhaltungskunst versteht und nicht als schnelles Geld versprechenden Soundtrack zur Pubertät, ist mittlerweile zu einer Sache für die mittleren Jahre geworden. Viele der fähigsten Figuren haben die dreißig weit überschritten. Das trifft auch auf die Mitglieder von Österreichs Vorzeige-Rapcrew Texta zu. "Bis jetzt komme ich mir jedenfalls noch nicht wie ein HipHop-Großvater vor", meint Huckey, ein Fünftel der Gruppe. "Solange wir spüren, was wir machen, tun wir's einfach. Das Gefühl wird uns schon sagen, wann Schluss ist."

Und überhaupt: Rock'n'Roll habe ja auch einmal jung angefangen. Mit "Paroli" legen Huckey, seine MC-Kollegen Skero, Laima und Flip, der auch für die Produktion der meisten Stücke verantwortlich zeichnet, sowie DJ Dan ihr sechstes Album vor. So lang - 14 Jahre, um genau zu sein - und konsequent wie die Herren aus der Stahlstadt arbeitet in Österreich sonst niemand an Beats, Cuts & Raps. Zeitgleich gestartete Kollegen wie Schönheitsfehler oder Total Chaos haben schon die Segel gestrichen.

Die Qualitäten von Texta erschöpfen sich jedoch nicht im Durchhalten und Weitermachen. Obwohl die letzten Alben "Blickwinkel" (2002) und "So oder so" (2004) für sich schon ziemlich komplett waren, sind im Kleinen immer noch Qualitätssteigerungen möglich: Jede Platte baut auf den Errungenschaften ihres Vorgängers auf und fügt ein paar neue Facetten hinzu. Als erfrischend erweist sich dabei die enge Zusammenarbeit mit jüngeren - und im Fall der Linzer Szene auch nicht ganz dummen - Kollegen wie Die Antwort oder Bumbum Kunst, die das Studio von Texta frequentieren und auf dem von ihnen betriebenen Label Tontraeger veröffentlichen. "Wenn man aufpasst, was rundherum passiert, wirkt sich das auch auf die eigenen Sachen aus", glaubt Huckey. "Die letzten Jahre waren musikalisch eine inspirierende Aufwärtsspirale."

Paroli" ist das bislang politischste Album der fünf Linzer. Vom Cover blicken Texta in der Pose der urbanen Kämpfer, im zentralen Stück "Pause für Rebellen" schließen sie an Public Enemys "Rebel Without A Pause" an und versuchen, HipHop noch einmal mit widerständiger Kraft aufzuladen. "Die gesellschaftliche und politische Situation verlangt nach klaren Aussagen", meint Skero. ",Fuck the System' zu schreien, wäre uns jedoch zu wenig. Wir wollten in Tracks wie, Weltpolizist' oder, Um Gottes Willen' die Hintergründe beleuchten." Das letztgenannte Stück handelt vom Kreuz mit dem Kreuz und der wachsenden Konjunktur von Religionen: "Es ist das alte Spiel. Wenn wir das Chaos, das wir angerichtet haben, nicht mehr überblicken, legen wir unser Schicksal in Gottes Hand und werden von seinen Handlangern ausgenutzt."

Texta halten Eigenständigkeit hoch, ob es nun die Themenwahl betrifft oder ob sie sich immer wieder die Freiheit nehmen, Passagen im oberösterreichischen Dialekt zu rappen. Und sie glauben nach wie vor an den HipHop. "Es gibt noch immer eine Wagenladung toller HipHop-Platten", findet Huckey. "Umso mehr sehe ich Nas' Statement, HipHop is dead' als ein Wachrütteln. Es ist noch immer alles offen. HipHop macht, was er will, also mach mit HipHop, was du willst."


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