E-Pop? Sopop!

"Beethoven re:loaded" von Stefan Obermaier

Carsten Fastner
FALTER 37/2008

Beethoven re:loaded
Stefan Obermaier
Universal - 2008
0,00

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Es gibt eine Sinfonie in A-Dur des russischen Komponisten Wassily Kalinnikow aus dem Jahr 1897, deren Hauptmotiv haargenau der Melodie von Bill Withers Song "Ain't No Sunshine" (1971) gleicht. Kaum anzunehmen, dass der Soulsänger davon wusste. Aber aus dem universell simplen Thema hat er deutlich mehr gemacht als der heute fast vergessene Spätromantiker.
Genau anders herum ist es im Falle des Wiener DJs Stefan Obermaier, der auf "Beethoven re:loaded" (Universal) bekannte Beethoven-Themen vorsätzlich im Einheitsklanggewand eines "Dub-infizierten Downtempo" einlullt. So wird selbst aus dem berühmten Kopfsatz der "Fünften" ein beliebiges Plätschern, das eine irgendwie urban-coole Nachtatmosphäre evozieren soll. Beethoven hätte es dafür nicht gebraucht. Natürlich versucht der Begleittext, diesen erwartbaren Vorwurf durch Vorwegnahme zu entkräften. Er trifft dennoch.Den Alten hätt's eh gefallen, wird sinngemäß gern behauptet, wenn es um die Verpoppung von Klassikern geht. Aber einen triftigen Grund dafür zu haben, wäre trotzdem kein Fehler. Das Kollektiv Sound
Liberation sieht ihn in der "Befreiung der Musik aus Schubladen, Gettos und Elfenbeintürmen". Wahrlich ein großes Vorhaben, dem das 15-köpfige Ensemb-
le auf "Open Up Your Ears and Get Some" (Col Legno) durch die Anreicherung von Chopin, Mozart, Bach und Brahms mit HipHop und Jazz in eigenständigen Arrangements gerecht werden möchte. Um das hören und in seinem Anspruch ernst nehmen zu können, sollte man freilich Rapgesang für erträglich und eine immer noch aktuelle Stilrichtung halten.Den wesentlichen Schritt weiter gehen Wolfgang Mitterer und
Georg Nigl mit "Im Sturm" (Col Legno).
Dem Elektroniker und dem klassischen Bariton gelingt eine packen­de, weil freie Nachdichtung von Schubert-Liedern: Mit sängerischer Stil­sicherheit und zu nachgerade haptischer Plastizität geformten Samples transponieren die beiden Schuberts romantischen Geist ins Heute.Mit Pop hat das freilich nicht mehr viel zu tun – im Unterschied zu den zwölf Songs von "Sopop" (Col Legno), auf dem Mitterer mit der sehr schauspielerisch singenden Schauspielerin Birgit Minichmayr zwar vor allem echten Mitterer bietet, der Eingängigkeit des Pop aber sehr nahe kommt.


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