"Bestheller 1967-2007" von Andre Heller

Sebastian Fasthuber
FALTER 38/2008

Bestheller 1967-2007
Andre Heller
AMADEO 2008
€ 37,90

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Wurde André Heller davon informiert, dass seine Plattenfirma schon wieder eine "Best of"-Box mit einer Auswahl seines Wirkens als Liedermacher und Interpret auf den Markt wirft? Hat er den originellen Titel "Bestheller. 1967–2007" (Amadeo/Universal) abgesegnet? Von ihm selbst wird er ja doch nicht stammen. So oder so wirkt dieser Karton mit vier CDs erst einmal unnötig. Die letzte Heller-Sammlung, "Ruf und Echo", datiert keine fünf Jahre zurück, die große "Kritische Gesamtausgabe" von 1991 ist derzeit zwar vergriffen, antiquarisch aber immer noch zu bekommen. Und wahnsinnig viel neue Musik hat der große Ermöglicher seither nicht mehr gemacht. Insofern ist auch der Untertitel "1967–2007" kokett, bis auf wenige Ausnahmen stammen die versammelten Lieder aus den ersten 20 Jahren.

Andererseits: Der Mann hat – so sehr er als Liedtexter, -sänger und -sprecher mitunter dazu neigte, den Bogen zu überspannen – in einigen wenigen Sessions schon ein recht erstaunliches, für Österreich einzigartiges Werk hingelegt. Man höre etwa die überlange "Trilogie eines Traumes", aus heutiger Sicht unfassbarerweise von Peter Wolf produziert und trotzdem mitreißender als vieles, was sich im aktuellen Popgeschehen psychedelisch nennt oder in Afrika nach Inspiration sucht. Man ziehe sich Balladen wie "So a Tag" rein, in denen Heller einmal nicht outrierte und kein "Zigeina" sein wollte, sondern einfach nur traurig war: "So a Tag ganz ohne di, des is ka Tag – ganz allan. So a Tag. Wann i aufsteh in da Fruah und siech nur mi – nix von dir." Man bestaune, wie er ganz unpathetisch für die Vielfalt und die Liebe zwischen Mann und Mann, Frau und Frau, Hirte und Lamm eintrat: "Denn ich will, dass es das alles gibt, was es gibt."

So bunt er es gern treibt, war Heller musikalisch immer dann am besten, wenn er es sich und dem Hörer ganz einfach machte. Nicht seine Aneignungen von Chansons und Standards sind die stärksten Momente, es sind die schlichten Liebeslieder und Popsongs, in denen er sich fallweise gar der Austropopästhetik annäherte, ohne abzusaufen.

Ob man "Bestheller" freilich braucht, muss jeder mit seinem Plattenschrank und dessen Heller-Bestand ausmachen. Vielleicht wäre es lohnender, bald mal ein paar Originalalben neu herauszubringen.


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