"Raketa 01" von Raketa

Gerhard Stöger
FALTER 4/2009

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Viermal neue Rockmusik aus Wien im Schnelldurchlauf. "For full Enjoyment listen to this Record as loud as possible after 2–3 Beers!!!", empfehlen The Hellenbecks im Booklet ihrer schlicht mit dem Bandnamen betitelten CD (Remedy).
Nüchternes Hören bei Zimmerlautstärke könnte hier tatsächlich schnell Langeweile auslösen; in alkoholgeschwängerter Clubatmosphäre sollte dieser schnittig-energetische Geradeausrock mit eingängigen Melodien aber durchaus als unschuldiger Hintergrundspaß funktionieren. Eher gar kein Spaß ist "December 32nd" (Sony), das Majordebüt der nach langjähriger erfolgreicher Do-it-yourself-Tätigkeit auch international gut aufgestellten Punk-Frohnaturen 3 Feet Smaller. Die meisten der neuen Texte gefallen sich in frauenfeindlichen Gewaltfantasien der Marke "My Girlfriend's laying bloody & raped on the Couch / I'm fucking proud, she's 15 years old".
Dass dieser klischeehafte Asozialenquatsch lediglich provozieren will, ist schon klar, macht ihn aber kein bisschen weniger ärgerlich. Ganz abgesehen davon, dass der Political-Correctness-Tabubruch mit den Mitteln pubertär-machistischen Saubarteltums halt auch schon einen verdammt langen Bart hat. Und die Musik? Meistens sonnig-druckvoller Jungmenschenpunkrock, manchmal aber auch mit Streichern, Akkordeon und Temporeduktion um eine Erweiterung des Ausdrucksspektrums bemüht, dabei aber wenig überzeugend.Auch "dakvifo" (Problembär) ist ein schwieriger Fall, die über weite Strecken sehr anstrengende neue CD des Trios Birne Helene. Zwischen Indierock-Vergangenheit und elek­tronisch unterstützter Experimentalrock-Zukunft liegt hier ein Konzept­album ohne Konzept, das bei aller Ambitioniertheit doch nach einer unfertigen Ideensammlung klingt.Deutlich weiter fortgeschritten ist die Suche nach einem eigenständigen Sound bei Raketa. Sängerin Babl Raketa und ihre drei Musiker schließen eine zumeist ohne Verzerrgerätschaften auskommende Spielart des Indierock auf der Debüt-CD "Raketa 01" (Extraplatte) mit Avantgardepop, poetischem Singer/Songwritertum und ausdrucksstarkem Gesang kurz. Das vielgesichtige Ergebnis erschließt sich nicht auf Anhieb, hat aber eindeutig seine Reize.


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