"Collections" von Diverse

Klaus Nüchtern
FALTER 6/2009

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Drummer gelten als Egomanen. Der Wiener Uli Soyka hingegen ist eher ein Schlagzeug-Softie, der lieber für einen klangfarbenreichen unaufdringlichen Flow sorgt, als sich berserkernder Beatbeamtenschaft zu verschreiben. Vor elf Jahren hat er sein eigenes Label gegründet: Pan Tau-X, benannt nach dem melonetragenden Zauber-Gent aus dem tschechischen Fernsehen, der seinerzeit auch ORF-konsumierende Kids verlässlich in die Depression trieb.
Auch als Labelchef spielt sich Soyka nicht in den Vordergrund und hat auch Alben veröffentlicht, auf denen er selbst gar nicht zu hören ist – etwa das 2007 erschienene "Projekt M", auf dem Uli Rennert mit drei (Bass-)Klarinettisten die Musik von Thelonious Monk einer kammermusikalischen Neudeutung unterzieht.
Im letzten Jahr erschien der Live-Mitschnitt "Undetected", auf dem Frank Schwinn (g), Raphael Preuschl (e-b) und Soyka ein breites Programm zwischen Bossa- und Reggae-Rhythmen, jazzrockiger Expression und freier Improvisation bieten und sich sogar einen Ausflug auf den Dance­floor gestatten. Mitunter hat das Trio freilich Probleme, die Stücke mit Struktur und Spannung auszustatten, und verliert sich in erratischen Effekten.
Auf der 180 Minuten Musik umfassenden Doppel-CD "Collections" mit (unveröffentlichten) Aufnahmen von 1997 bis 2008 gibt Soyka einen Rückblick auf seine Projekte, aus denen die Kooperationen mit dem deutschen Sopransaxofonisten und Bassklarinettis­ten Klaus Gesing herausragen: John Coltranes "Dear Lord" wird sehr relaxt, fast schon Easy-Listening-like dar­geboten, Assoziationen an Coltranes Drummer Elvin Jones weckt Soyka dann eher auf dem folgenden "Time".
Das Quartett mit Gesing, Peter Ponger (p) und Johannes Strasser (b) ist die kompakteste Formation, die einen Großteil der zweiten CD bestreitet – u.a. mit dem innigen Walzer "Nightwalk", dem rhapsodisch-diskursiven "Erstgespräch" oder der süffigen Ballade "Erinnerung". Den Höhepunkt stellt freilich das hochdynamische "MakelLos" dar, auf dem der jarretteske Ponger für souligen Punch sorgt, Bassist Peter Herbert mit einem Con-arco-Solo jeden Bläser ersetzt und selbst der sonst eher zurückhaltende Soyka auf die Tube drückt.


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