"Little Joy" von Little Joy

Gerhard Stöger
FALTER 11/2009

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Wie finden wir das, wenn eine junge britische Band klingt, als würden die U2 der mittleren 80er versuchen, Joy Division nachzustellen? Oder, mit dem Pop unserer Tage gesprochen, als würden die Killers auf der großen Las-Vegas-Showbühne einen auf Interpol machen?
Teilweise super, teilweise aber schon auch etwas daneben, lautet die Antwort im Fall der White Lies und ihres theatralisch "To Lose My Life …"
(Polydor/Universal) betitelten ersten Albums. Für die Ewigkeit ist hier definitiv nichts gemacht, eine kurze, heftige Erregung ist aber allemal drin. Für schicke junge Menschen der Neigungsgruppe "Dancing with Tears in my Eyes".
"Well I'm not exactly happy and I'm not exactly sad", singen die
Antennas zu Beginn ihres neuen Albums "Feeling Feline Tonight" (Schoen­wetter/Hoanzl). Was folgt, ist aber trotzdem kein Durchschnitts-Wischiwaschi. Das schwedische Trio kombiniert Synthiebeats und schnittige Gitarren, forcierte Rhythmusarbeit und aufgekratzten Gesang. Das Ergebnis ist vielleicht nicht so offensichtlich hittauglich wie bei den White Lies, dafür aber um einiges spannender. Für Indiediscopeople mit Zuhörambitionen.
Gewohnt guter Dinge präsentiert sich die Queens-of-The-Stone-Age-Außenstelle Eagles of Death Metal
auf ihrem neuen Album "Heart On" (Downtown/Universal). Tiefergelegten Garagen-Boogierock deuten Jesse "Boots Electric" Hughes und Joshua "Baby Duck" Homme erneut mit sexy Hüftschwung und nicht zu knapp Selbstironie; Songtitel wie "Cheap Thrills" oder "Now I'm A Fool" sprechen Bände. Für Hells Angels, die auch mit einem auffrisierten Mofa glücklich werden.
Noch eine Bandaußenstelle: Strokes-Schlagzeuer Fabrizio Moretti hat sich mit dem Trio Little Joy eine Zweitband zugelegt, um auch einmal ganz vorne zu stehen. Dabei macht er eine ganz ausgezeichnete Figur, das bereits Ende 2008 erschienene Album "Little Joy" (Rough Trade/Edel) erfreut durch unaufdringlich-liebenswerten Indiefolk mit Sixtiespopeinschlag im guten alten Dreiminutenformat. Für schwermütige Surferboys und -girls.


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