"The Angst And The Money" von Ja, Panik

Gerhard Stöger
FALTER 37/2009

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Rund zwei Sekunden brauchen Ja, Panik, um auf ihrer neuen Platte, "The Angst and the Money", von null auf hundert zu beschleunigen. Das Schlagzeug marschiert los, die Gitarre bockt, das Klavier hämmert. Nur wenige Momente später setzt Andreas Spechtls Gesang ein.
Exaltiert und glamourös klingt er, verführerisch und bei aller Eleganz doch auch ein bisschen bockig. Er singt eigenartige Texte, die kaum je konkrete Geschichten erzählen, aber stets starke Bilder schaffen. "It takes my hand, es nimmt mich fort, wir schleifen Messer für den Königsmord", heißt es da etwa. "Und ich bin ungeschickt, like a rich man's child, ja es stimmt, like a rich man's child", singt Spechtl. Oder: "Für jeden Traum aus diesen Mündern, schick ich ins Feld eine Armada, ich werde rauben, stehlen, plündern, ich singe Tabula rasa tara tatata."
Mit dem Tocotronic-Produzenten Moses Schneider live im Studio aufgenommen, hält die Vitalität der ersten Sekunden die ganze Platte über an. Und obwohl Ja, Panik ihre Version zeitgenössischer Rockmusik mit dem Kopf und nie mit dem Bauch erarbeiten, sind diese Lieder doch stets von schier unwiderstehlicher Dringlichkeit und Unmittelbarkeit geprägt.
Theoretisch gibt es zwei Arten, sich dieser Platte zu nähern: konzentriert nach Zitaten und Referenzen suchend – oder ausgelassen tanzend, mitsingend und Textzeile für Textzeile auf T-Shirts malend.
Hört man "The Angst and the Money" nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen, bleibt praktisch nur mehr eine Möglichkeit übrig.


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