Not a Big Band But a Big Combo

"Subject to Change" von Denis Colin, La Société des Arpenteurs

Klaus Nüchtern
FALTER 5/2010

Subject to Change
Denis Colin, La Société des Arpenteurs
Import 2009

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Trio, Quartett, Quintett – klarer Fall, da hat man schnell ein paar berühmte Beispiele bei der Hand. Das Sextett? Hm. Mit drei Bläsern und einer dreiköpfigen Rhythmusgruppe lässt es sich – man denke an die Jazz Messengers der 60er-Jahre – als größtmögliche Standardbesetzung des Jazz betrachten. Aber was kommt danach? Septett, Oktett, Nonett, Dectett … Das ist vielleicht eine große Band, aber noch keine Big Band.
Die Nils Landgren Funk Unit wird fallweise um einen zusätzlichen Drummer zum Oktett, dafür ist der dann das einzige Bandmitglied, das den Vokal-Einsatz schwänzt. "Funk for Life" (Act) beginnt mit einem elegischen, nur von den Bläsern ausgeführten Sonnenaufgang über Kibera, einem der größten südafrikanischen Slums, in dem auf zweieinhalb Quadratkilometern eine halbe Million Menschen lebt. Je ein Euro pro verkaufter CD geht an Ärzte ohne Grenze, weswegen man auch darüber hinwegsehen mag, dass der Text der Titelstücks schon sehr, äh, schlicht ist. Musikalisch setzt man auf bewährte Jazzfunkformeln im eher soft-relaxten Sounddesign (die Doppel-Flöte!) für die Chill-out-Phase der Party.
Denis Colin & La Société des Arpenteurs beginnen mit einem Stück auf Blues-&-Rock-Basis, das dem im Vorjahr verstorbenen britischen Bassisten Hugh Hopper gewidmet ist. Colins jazzübergreifendes Interesse ist bekannt, für seine Fans ist "Subject to Change" (Import) aber doch eher enttäuschend: Nicht nur dass dessen packendes Spiel auf der Bassklarinette zu kurz kommt, wirkt das Oktett wie ein übergroßer Rahmen, in dem das jazzrockistische und doch eigenartig identitätslose Idiom jene ästhetische und emotionale Dringlichkeit vermissen lässt, die man vom Colins Trio kennt.
Entschiedener und überzeugender ist der variantenreichen Eklektizismus des Flip Philipp & Ed Partyka Dectet, das auf "Hair of the Dog" (ATS) die komplexen Tempowechsel eines Charlie Mingus mit relaxtem Souljazz, gospeliger Inbrunst und orientalischen Einflüssen zu kombinieren weiß und vor allem auch in der Balance zwischen Solisten und Ensemble überzeugt: Jure Pukl, Fabian Rucker und Wolfgang Schiftner etwa überzeugen als "embedded sax-player", undolphyesk predigender Bassklarinettist und vokalexpressiver Flötist.


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