Bach in Bearbeitungen

"Goldbergvariationen" von Martin Schmeding, Johann Sebastian Bach

Carsten Fastner
FALTER 6/2010

Goldbergvariationen
Martin Schmeding, Johann Sebastian Bach
CYBELE 2009
€ 19,60

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Die Unantastbarkeit geistiger Schöpfungen, der hehre Begriff der Autorenschaft, gar des Originalgenies sind ein Erbe des 19. Jahrhunderts, dessen Ideal darin besteht, Musik treu gemäß dem Willen ihres Verfassers aufzuführen.
In vorromantischen Zeiten war man da noch nicht so streng. Mozart etwa eignete sich die Musik von
Johann Sebastian Bach an, indem er sie kurzerhand bearbeitete. Erstaunlich spät, erst 1782, hatte er die polyphone Kunst des Barockmeisters kennengelernt und einige Fugen (u.a. aus dem "Wohltemperierten Klavier" und der "Kunst der Fuge") für Streichtrio arrangiert – nicht nur zu Studienzwecken, wie die eigens dazukomponierten, einleitenden Adagiosätze zeigen.
Das Trio di Clarone um Sabine Meyer hat nun seinerseits vier dieser sechs Bach-Bearbeitungen (KV 404a) bearbeitet – für verschiedene Kombinationen von (Bass-)Klarinette und Bassetthorn – und um zwei Mozart­raritäten (KV 617a, KV 410) sowie C.P.E. Bachs Klarinetten-Duo (Wq 142) ergänzt (AvI). Interpretatorisch kommt das mitunter ein bisschen betulich daher; dennoch ermöglicht das Programm über den Umweg der (hier ja gleich doppelten) Bearbeitung einen neuen Blick auf Bekanntes.
Eben das hatte auch der Organist Martin Schmeding im Sinn, als er Bachs "Goldberg-Variationen" für die Silbermann-Orgel der Hofkirche in Dresden bearbeitete (Cybele/Gramola). Im Begleittext erläutert er detailliert die Hintergründe dieser "konsequenten Erweiterung der Cembalofassung" des Originals. Und tatsächlich wird hinter dem sakralen Charakter des Orgelklangs manches so bislang nicht gehörte Detail deutlich.
Der österreichischen Harfenistin Anna Zauner-Pagitsch ging es eher um eine Repertoireerweiterung, als sie zwei der "Englischen Suiten" Bachs (BWV 807 und 808) für ihr filigranes Instrument bearbeitete (Extraplatte). Wobei sie auch auf die barocke Praxis verweist, nach der Tastenvirtuosen häufig gute Harfenisten waren.
Für welche Instrumente Bach seine "Kunst der Fuge" gedacht hat, weiß indes niemand. So ist es weniger eine Bearbeitung als eine Fassung, wenn Vittorio Ghielmi und Il Suonar Parlante das rätselhafte Stück auf vier Gamben spielen (Winter & Winter). Erhellend transparent klingt das nicht wirklich. Aber sehr charmant.


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