Bach für Kenner, Liebhaber und Entdecker

"Bach" von Richard Galliano

Carsten Fastner
FALTER 12/2010

Anzeige


Seine Zeit ist allezeit, aber natürlich hat Johann Sebastian Bach vor allem zu Ostern Konjunktur. Mit gutem Grund: Seine Passionsmusiken zählen zum Großartigsten, was überhaupt je komponiert worden ist.
Bachs Motetten hingegen stehen stets etwas im Schatten der Aufmerksamkeit. Doch auch in diesen Chorwerken werden existenzielle Fragen verhandelt. Grund genug, zu Ostern sechs davon in der hinreißenden Interpretation des Chorus sine nomine unter Johannes Hiemetsberger kennenzulernen (Gramola). Dieses Album bekommt übrigens den (monatlich in Kooperation mit dem Falter auf Ö1 vergebenen) Pasticcio-Preis im März (25.3., 8.15 Uhr).
Es gibt noch mehr zu entdecken bei Bach, etwa den Einfluss der prächtigen Norddeutschen Schule auf seine Orgelmusik. Berühmt ist der 400-Kilometer-Fußmarsch des 20-Jährigen nach Lübeck zu Dietrich Buxtehude; doch schon zuvor war Bach in Lüneburg wohl Schüler bei Georg Böhm. Martin Neu hat auf einem modernen Instrument Beispiele der Vorbilder und Bachs erhellend einander gegenübergestellt (Audite); demnächst soll ein Album zur süddeutschen Tradition folgen.
Der Niederländer Léon Berben führt auf einem faszinierenden Doppelalbum in die komplexe Vielfalt der Bach'schen Toccaten ein (Ramée). In einem ausführlichen Text werden Gattungs-, Form- und Instrumentierungsfragen erläutert; die insgesamt 15 weniger bekannten Werke spielt er je nachdem auf dem Cembalo oder der Orgel – übrigens auf historischen Ins­­trumenten der norddeutschen Schule.
Und schließlich bieten zwei Alben Gelegenheit, bestens Bekanntes von Bach neu zu hören. Wobei der französische Jazz-Akkordeonist Richard Galliano und sein sehr agiles fünfköpfiges Streicherensemble in ihrem Best-of-Programm dem Notentext treu und insgesamt zu gefällig bleiben (DG).
Deutlich spannender geht es der polnische Gitarrist Raphael Roginski an, der auf "Bach Bleach" (multikulti.com) 13 Tanzsätze Bachs auf präparierten Instrumenten radikal verlangsamt und zu einer fragil-melancholischen Suite formt.


Anzeige

Diese Rezensionen könnten Sie auch interessieren

  • Under Great White Northern Lights

    Jack White zeichnet eine sympathische Kindsköpfigkeit aus, die er aber gleich wieder durch seine Streberhaftigkeit ruiniert. Schwuppdiwupp führt...
    Rezensiert von Gerhard Stöger in FALTER 12/2010
  • Dark Water

    Sechs Jahre war von der burgenländischen Postrock-Combo Le Charmant Rouge nichts zu hören gewesen. Für ihr drittes Album hat die Formation um...
    Rezensiert von Sebastian Fasthuber in FALTER 12/2010
  • Bach und die Norddeutsche Orgelschule

    Seine Zeit ist allezeit, aber natürlich hat Johann Sebastian Bach vor allem zu Ostern Konjunktur. Mit gutem Grund: Seine Passionsmusiken zählen...
    Rezensiert von Carsten Fastner in FALTER 12/2010
  • Toccatas für Klavier

    Seine Zeit ist allezeit, aber natürlich hat Johann Sebastian Bach vor allem zu Ostern Konjunktur. Mit gutem Grund: Seine Passionsmusiken zählen...
    Rezensiert von Carsten Fastner in FALTER 12/2010
Alle CD-Rezensionen | Alle Rezensionen aus FALTER 12/2010

Anzeige

Anzeige